Valeria Docampo:
Der Nussknacker

aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
präsentiert vom ‚New York City Ballet‘
München: Mixtvision 2016

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-95854-093-4
40 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Das Märchen vom Nussknacker, der dem Mädchen in der Nacht im Traum zur Seite steht, wird auf die Ballett-Version fokussiert. Diese Sicht ist neu, ungewöhnlich und bedarf einiger Bereitschaft der Betrachter, Ballett und Bilderbuch zusammenzubringen.

Ballett trifft Bilderbuch

Um es von Anbeginn an klarzustellen. Hier wird nicht die Geschichte vom Nussknacker erzählt und (wunderbar) illustriert, sondern eine Metastufe darüber die Geschichte, wie die Geschichte vom Nussknacker auf die Ballettbühne in New York City erschien. Die Illustrationen folgen eben dieser etwas verschwurbelten Sicht.
Kurz zum Inhalt: Marie erhält zu Weihnachten von ihrem Patenonkel Drosselmeier einen Nussknacker, der in einer Traumsequenz den Mäusekönig besiegen kann. Der Bann ist gebrochen, der Nussknacker verwandelt sich in einen Prinzen.

Diese Geschichte wird umgewandelt in eine Erzählung eines Balletts, das diese Geschichte erzählt. Wenn allerdings diese Art des Erzählens die eigentliche Geschichte in den Hintergrund verdrängt und in ein Lob des Balletts, hier des NYC-Balletts, mündet, dann kann man sich fragen, an wen sich die Veröffentlichung dieses Buch eigentlich wendet.

An den Illustrationen liegt es sicher nicht, denn Valeria Docampo hat längst bewiesen, welche Qualität ihre Bilder haben (‚Die große Wörterfabrik‘, Der Bär und das Wörterglitzern‘, Im Garten der Pusteblumen‘). Sie spitzt die Ballettszenen zu, verschlankt Bein und Fuß (sur la pointe des pieds) sowie den Hals, auf dem ein Kopf im Babyschema sitzt, von warmem Licht beschienen. Die Augenlider sind oft gesenkt, Maries blonde Haare sind streng nach hinten gekämmt und mit einer rosafarbenen Schleife zu einem langen Pferdeschwanz gebunden, die Kleider haben Ballonformen mit hoher Taille, wie man sie im Zeitalter des Empire trug. Die Männer und Jungen tragen Anzug und weiße Hemden mit geschlossenem Kragen mit einer Art offenen Fliege. Allen gemeinsam ist die fast zerbrechlich wirkenden dünnen Arme und die zugespitzt verlaufenden Beinkleider der Männer. Alle Personen sind in ihren Bewegungen eindeutig dem Ballett zuzuordnen.

Ballett jedoch heißt Bewegung, Illustration heißt statisches Bild. Das beißt sich. Eine Rahmenhandlung hätte hier vielleicht gut getan.

Kinder – vor allem Mädchen mit Ballett- und Tutu-Wunsch und mitten ihn ihrer Rosa-Phase – werden das Buch mögen. Was allerdings die etwas aufdringlichen Hinweise »präsentiert vom New York City Ballet« bedeuten, bleibt unklar.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en