Troon Harrison & Andrea Offermann:
Der Eisdrache

Aus dem Englischen von Pauline Katz
Wien: Nilpferd 2016

www.nilpferd.at

ISBN 978-3-7074-5190-0
44 S * 18,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Zeit ist ein Kreis. Mit dem Winter kommen auch die Eisdrachen, und wenn sie wieder fortfliegen, geht mit ihnen auch die Kälte, kommt der Frühling, die Sonne, das Ende der Not. Nun aber ist ein Drache verletzt zurückgeblieben. Die Not ist groß – für ihn wie für die Familie. Den Namen des Mädchens erfahren wir nicht, wohl aber ihre Empathie für den Verletzten.

Helfen, weil es notwendig ist

Ein Lob für die Übersetzerin, die genau den richtigen Ton für die Geschichte findet: «Am Rande der Welt lauschte das Mädchen mit den grünen Augen den wilden Schreien ...» Es sind die Eisdrachen, die noch einmal den Himmel aufwühlen auf ihrem Weg nach Norden, die dem Frühling Platz machen werden. Doch genau dies geschieht nicht, und das Essen im Holzhaus der kleinen Familie wird knapp, das Brennholz ebenso. Der Vater wird krank, und die älteste Tochter, das Mädchen mit den grünen Augen, soll für Essen und Brennholz sorgen. Doch der Winter lässt sie drei Mal erfolglos heimkehren. Dem verletzten Eisdrache auf dem Dach ihres Haus verweigert sie – ebenfalls drei Mal – ihre Hilfe.

Der Ton der Erzählung spiegelt sich in den Illustrationen wider. Die Flügel der Eisdrachen sind zerbrechlich bis durchsichtig, mit dünnen Adern durchzogen, die dünnen, langen und biegsamen Körper dehnen sich mit den wirbelnden Windböen, viele dünne Linien lassen eine Verwandtschaft zu Wiesel oder Marder vermuten. Böse und gefährlich sehen sie aus mit den starken Kiefern und den großen Nüstern, aber auch traurig und ernst. Vor allem der verletzte Drache auf fast eingeschneitem und vereistem Haus der Familie, der seine Sippe verlor und seine Flügel verletzte, der hungrig ist wie die Familie unter ihm und der das grünäugige Mädchen um etwas Zeitvertreib bittet.

 

Obwohl der Text verdichtet ist und komplex in seiner Struktur, sorgt nicht nur die Spannung der Erzählung für ungeteilte Aufmerksamkeit der (Vor-) Leser, sondern auch die Bildhaftigkeit – so wie zugleich die Bilder die Geschichte nuancieren und der eigenen Fantasie gar nichts stehlen, sie vielmehr noch beflügelt.

In mehrfacher Hinsicht sind die Erzählung wie ihre Illustrationen sehr geschmacksbildend für Kinder (wie auch für Jugendliche und Erwachsene). Daran hat sich nichts verändert seit der Erstedition 2013, als der Nilpferd-Verlag noch ein Imprint beim Residenz-Verlag war. Das deutlich größere Format und der Leinenrücken zeigen, dass der Verlag seinem Buch mit Respekt und Liebe begegnet.

 

auf der Empfehlungsliste zum LesePeter Bilderbuch

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en