Ole Könnecke:
Elvis und der Mann mit dem roten Mantel

München:Hanser 2016

www.hanser-literaturverlage.de

ISBN 978-3-446-25314-8
32 S * 10,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

Kein intakter Schlitten, heftiger Schneesturm, keine Auslieferung von Geschenken. Das werden ganz bestimmt keine schönen Weihnachtstage, wären da nicht Elvis, seine hilfsbereiten Nachbarn und ein alter Großvater, der so alles Mögliche im Schuppen aufgehoben hat.

Katastrophe, beinahe

Spät dran, Schneesturm, Eile, – da kann schon mal durch eine kleine Unachtsamkeit ein Unfall passieren. Gut, dass es keinen Personenschaden gibt, aber der Schlitten ist arg beschädigt. Also klopft der Mann mit dem weißen Bart und dem roten Mantel an der Tür des nahen Hauses direkt neben der kleinen Autowerkstatt. Elvis wohnt hier mit seinem ziemlich alten Großvater und Elvis freut sich auf so richtig gemütliche Weihnachten. Nun ja, der Strom ist plötzlich weg, damit dreht sich der gemütliche elektrische Weihnachtsbaum nicht mehr und Chuck Berrys »Merry Christmas, Baby« aus dem Lautsprecher gibt keinen Ton mehr ab. Ein Schlitten, gezogen von Rentieren, ist gegen einen Strom-/Telegraphenmasten geknallt und hat die Leitung abgerissen. Das ist noch nicht das Schlimmste, denn der Mann mit dem roten Mantel muss unbedingt noch arbeiten, obwohl (wie Elvis weiß) doch am 24. Dezember schon fast richtig Weihnachten ist – und Weihnachten wird nicht gearbeitet. Dennoch lässt sich Elvis darauf ein, wenigstens einmal nach dem Schlitten zu schauen. Nach und nach werden die etwas schusseligen Nachbarn und der alte Großvater mit eingebunden in die Hilfsaktion.
Kein einziges Mal fällt der Name des Mannes mit dem roten Mantel, obwohl er ihn mehrfach nennen will und mal der eine, mal der andere nah dran ist, den Beruf des Mannes zu erraten.

Der herrlich verschwurbelten Geschichte hat Ole Könnecke ganz köstliche Bilder zur Seite gestellt, beide etwa gleichberechtigt in Platzumfang und Erzählmodus. Mensch und Tier sind sehr einfach gehalten und leben durch Gestik und Haltung. Die Rentiere schauen etwas dümmlich, Elvis scheint auch nicht der hellste Kopf zu sein, der alte Mann mit dem roten Mantel und dem enormen Bauchumfang schwankt zwischen Resignation (hängende Schultern), kleiner Hoffnung (Mütze in der Hand hinter Elvis am Unfallort) und Schuldbewusstsein ob des Unfalls (Elvis legt ihm seine Hand begütigend auf die Schulter). Besonders herrlich ist der alte Großvater, den Könnecke extra liebenswert darstellt und der auch das letzte Wort hat.

Kinder ab drei Jahren wissen selbstverständlich gleich zu Beginn, wer der ‚Mann mit dem roten Mantel‘ ist und welche Aufgabe er hat. Aber es ist herrlich zu beobachten, wie die Erwachsenen im Buch es offensichtlich nicht wissen.

Jetzt kann auch Weihnachten kommen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en