Frédéric Clément:
Metamorphosen. Verwandlungskünstler der Natur

Aus dem Französischen von Sarah Pasquay
München: Knesebeck 2016

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-939-8
32 S * 14,95 € * ab 06 J

 

 

 

 

Elf Beispiele für ‚Verwandlungen‘ im Tierreich werden auf zwei / vier Seiten durch Bild und Text aufgezeigt. Die Bilder erhalten mehr Platz, und das ist nicht nur beeindruckend, sondern auch richtig so, zumal sie sich in Phasen aufspalten: vom Gelege (über die Verpuppung) zum fertigen Lebewesen.

Überraschung!

‚Meta‘ und ‚morphos‘ sind die beiden griechischen Begriffe, die in ihrer Zusammensetzung als ‚Metamorphose‘ von der Veränderung der Gestalt berichten. So zeigt sich das Leben in ‚ewigem‘ Kreislauf seiner eigenen Entwicklung in der Zeit. Wer sich einmal Gedanken machte, wie sich der Menschen von der Befruchtung bis zur Geburt veränderte und dabei immer mal wieder innehielt und mit der Entwicklung des Lebens an sich verglich, der wird sofort die Botschaft des Buches verstehen.
Es greift sich elf Beispiele heraus, sieben Tiere, drei Pflanzen und einen Pilz. Dabei wird darauf geachtet, dass die Veränderung nach der Befruchtung eines Eis möglichst spektakulär vonstattengeht – beim Pilz selbstverständlich nicht, bildet er doch eine ganz eigene Spezies zwischen Pflanze und Tier. Sein Fruchtkörper bildet nur einen kleinen Teil seiner Lebensform ab, die im Wesentlichen als ‚Myzel‘ unter der Erde stattfindet.

Um die Dramatik der Entwicklung darzustellen, hat der Autor und Illustrator den Bildern einen größeren Anteil gegeben, den er vertikal in Streifen aufteilt und dabei der zunächst freien oberen Fläche durch die zeitliche Formung füllt. Die Erde bricht auf, ein weißer Kopf erscheint, der wiederum aufbricht und einem braunen Kopf Raum gibt, der sich auf einem weißen Stängel nach oben drängt, sich weitet, weiße Punkte und unter seinem Kopf Lamellen zulässt. Die Entwicklung des Hirschkäfers benötigt sogar mehr als zwei Seiten, bei der Tulpe fehlt vielleicht ein kleiner Hinweis auf die Börsenblase in damaliger Zeit oder die heutigen Felder in den Niederlanden oder Ostfrieslands, die sogar Touristen anlocken.

Warum man dieses Buch seinen Kindern vorlesen sollte? Das Staunen über die Natur gibt zugleich Platz für das Staunen über das eigene Leben, auch wenn es die eigene Vergänglichkeit (die hier auch ausgespart wird) nicht beleuchtet.

Als Erzähler der ‚Geschichte‘ funktioniert übrigens die Erbse ‚Pisello‘ – ziemlich sicher ein versteckter Hinweis auf den Erforscher der Vererbung, Johann Gregor Mendel. Wer Genaueres wissen möchte, muss sich also mit den Genen beschäftigen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en