Theodor Storm & Klaus Ensikat:
Knecht Ruprecht

Berlin: Kindermann 2016

www.kindermannverlag.de

ISBN 978-3-934029-69-9
32 S * 15,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Die Illustrationen von Klaus Ensikat sind ein Qualitätsmerkmal. Kaum einer strichelt derart fein und schafft damit herrlich verschrobene Gestalten und Räume wie er – all über all! Und er fügt dem bekannten Gedicht mehr als eine neue Nuance hinzu.

Ich muss euch sagen, es weihnachtet

Wenn Ensikat aus dem Gedicht von Storm hinausgeht, zeichnet er ohne Hintergrund und fällt aus der geschichtlichen Zeit, der Mitte des 19. Jahrhunderts, heraus. Da stehen Menschen, Knecht Ruprecht ganz allein mit seinem Sack voller Geschenke (und ohne Rute) sowie diverse Erwachsene. Auf den ausgestalteten Seiten füllt Ensikat sowohl den Hintergrund mit städtischen Häusern, einem Weihnachtsmarkt und mit ganz vielen Menschen. Es lohnt sich nicht nur ein Blick in die Masse, sondern eventuell sogar einer mit einer Lupe, um die Typen zu erkennen, um die Zeichenweise von Ensikat zu bewundern. Da lächeln die Kinder eher dümmlich, ein Taschendieb versucht sich gerade vor dem Warnungsschild vor Taschendieben den Nikolaus von hinten zu bestehlen, aus den Augenwinkeln von einer Frau mit lilafarbener Strickmütze beobachtet – und auf der anderen Seite, unter dem Text, ziemlich gleichgültig akzeptiert von einem Mann auf seinem Moped.

 

Alle vorlesenden Erwachsene werden sich erinnern an »Von drauß vom Walde komm’ ich her / ich muss euch sagen, ...«. Damit das auch in Zukunft zu sein wird, sind Wiederauflagen des Themas unbedingt notwendig, KulturGUT trägt die Wichtigkeit bereits im Namen.

Die Funktion der Rute darf hier durchaus hinterfragt werden, und auch, ob Weihnachten eine Zeit der ‚Abrechnung‘ sein soll (gute Kinder = beschenken / trotzige Kinder = Rute), aber beides darf getrost in die Vergangenheit geschickt werden. Gott hat schließlich – spätestens seit Luther – alle seine Kinder gleich lieb.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en