Sonja Danowski:
Kleine Nachtkatze

Zürich: Nord-Süd 2016

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10337-7
44 S * 19,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Toni spendet all seine Stofftiere für die Tombola, damit der Erlös den Tieren des Tierheims ein besseres Leben ermöglicht. Wie viele gute Taten wird auch diese erwidert. Ganzseitige wundervolle, fotorealistische Zeichnungen machen das Buch zu einem besonderen.

Toni erhält nicht nur Paul, den alten Plüschkater seiner Mutter

Toni liebt seine Stofftiere über alles. Im Bett hat er neben dem Affen, dem Hasen, dem Leoparden, Hund und Waschbär, neben der Ente und dem Krokodil selbst kaum Platz. Für die Festtombola des Tierheims zeichnet er einen Panther, denn die »Katzen und Hunde ... brauchen jede Menge Essen und Medizin«, und das ist sehr teuer. Toni überlegt nur kurz und teilt seiner Mutter dann mit, dass er alle (!) seine Stofftiere ebenfalls für die Tombola spenden will. Seine Mutter findet zwar, dass das keine gute Idee ist, aber Toni bleibt bei seiner Meinung.
In der Tat wird das Fest ein großer Erfolg und durch den Losverkauf wird viel Geld eingenommen. Am Abend aber wird Toni im Bett klar, dass er so ganz allein ohne Kuscheltier gar nicht einschlafen kann. Seine Mutter weiß Rat, denn sie hat aus ihrer eigenen Kindheit tatsächlich Paul behalten, einen Plüschkater, der allerdings ziemlich in die Jahre gekommen ist. Seit 30 Jahren ist er im Koffer – ohne Augen und »an manchen Stellen abgewetzt«. Auch hier weiß Tonis Mutter Rat, und so muss der Junge doch nicht allein in seinem Bett schlafen. Toni hat einen neuen Freund! Und seine Mutter hat am nächsten Tag noch eine Überraschung für ihn.

 

Sonja Danowski erzählt eine Geschichte, in der die Menschen voller Fürsorge sind und untereinander und mit den Tieren liebevoll und verantwortlich umgehen. Das eigentlich Sensationelle am Buch sind allerdings die Bilder, die sie fast fotorealistisch zeichnet und mit Aquarellfarben koloriert. Ganz viele Einzelheiten füllen die Bilder, die Farben sind eher stumpf und zurückhaltend. Trotz der vielen Gegenstände entsteht ein Gefühl von Sauberkeit und Wärme, die auch aus den Gesichtern der Menschen strahlen. Den Grundtenor bilden Brauntöne, ergänzt durch weniges Rot und Grün, das Blau hat oft einen kleinen Rotstich. Dass die Illustratorin eine genaue Beobachterin ist, sieht man an den Haltungen der Tiere und der Bewegung der Menschen. Das gilt sogar für das Einklemmen der Celli zwischen den Knien bei gleichzeitigem Heben des Hackens sowie das Zusammenspiel von linker und rechter Hand-/Armhaltung, vom Lichteinfall und der Schattenbildung sowieso.

Der abgesetzte Text ist noch einmal gesondert illustriert durch gestempelte Flächen in Graublau und Rot: Hund, Fuchs, Tulpe oder Sonnenblume, Vogel u. Ä. Die serifenlose Schrift ist sehr zart und nicht zuletzt durch den 1,5 bis 2-fachen Zeilenabstand sehr gut lesbar.

Zum Schluss hat Sonja Danowski noch ein kleines Lied (»Kleine Nachtkatze) komponiert und als Klaviersatz gedruckt. Schön wäre es gewesen, wenn auch Gitarrenharmonien gesetzt würden, denn die Begleitung kommt mit zwei gut greifbaren Harmonien (e-Moll, D-Dur) aus – sehr angenehm für Anfänger.

 

Ein richtiges Kleinod unter den Bilderbüchern, auch wenn man die Charaktere der Menschen darin heutzutage nicht überall finden dürfte.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en