Terry & Eric Fan:
Der Nachtgärtner

Aus dem Englischen von Edmund Jacoby
Berlin: Jacoby & Stuart 2016

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-946593-03-4
44 S * 14,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

In der Nacht beschneidet er Bäume, sodass am Morgen die Bewohner eine riesige Eule sehen, eine Katze, ein Kaninchen. Die Menschen stehen und staunen, von Bild zu Bild werden es mehr. Auf allen ist William zu sehen. Er wird Nachfolger des ‚Nachtgärtners‘ werden.

Statuen aus Pflanzen

Merkwürdige Bilder gestalten Terry und Eric Fan. Es fehlen viele Hintergründe, als wären Teile eines Bildes vor eine leere Fläche gestellt worden. Baum und Laub sind deutlich farbig dargestellt, die Personen, Zäune, Häuser, Wege sind in fast Grau-Weiß gehalten, ganz zart gefärbt. Ganz offensichtlich haben zwei Personen an den Bildern gearbeitet, sich gegenseitig in der Entwicklung der Geschichte ergänzt. Die Brüder Fan sind Kanadier aus Toronto. Sie benutzen Tinte und Kohle, aber auch die digitalen Medien, um ihren Bildern die Besonderheit zu geben. So entstehen Illustrationen, die uns spontan fesseln – auf welcher Seite wir das Buch auch aufschlagen mögen.
Die etwas skurrile Geschichte hat mit der britischen Vorliebe von Gartengestaltung zu tun. Dort wurden und werden noch immer vor allem Buchs oder Eiben (Taxus baccata), also sehr langsam wachsende Pflanzen mit deutlichem Austrieb im Jahr, in Formen geschnitten. Beides sind Bäume, können aber sehr gut auch als Hecke genutzt werden. Hier werden große Bäume in Tierformen geschnitten – und zwar jeweils des Nachts. Offensichtlich kann der »Nachtgärtner« den Pflanzenwuchs ‚lesen‘, sodass er das Tier im Baum erkennt, es durch wenige Schnitte erwecken kann. Es beginnt mit einem Eulenbaum, der am Waisenhaus steht und von zwei Erwachsenen und drei Kindern bestaunt wird. In der nächsten Nacht sind es schon fünf Personen und neun Katzen, die sich um das Kunstwerk aus der Pflanze scharen. Von Mal zu Mal werden es mehr, oft begleitet von echten Tieren (29 Papageien haben wir vor dem gleichnamigen Baum gezählt).

Gibt es eine Botschaft, einen tieferen Sinn? Was geschieht mit der Baumfigur, wenn es Herbst wird oder gar Winter? Wird die der beschnittene Teil ohne erneute Bearbeitung im nächsten Frühjahr erkennbar bleiben? Wer noch hat den besonderen Blick, um in der gewachsenen Natur das Andere, Besondere zu erkennen? Das Bilderbuch spielt mit genau diesem Thema. Schön.

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en