Hanna Jansen & Britta Gotha:
Linus im Glück

Wuppertal: Peter Hammer 2016

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0559-4
28 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Wie kann man nur einfach so glücklich sein? Ohne erkennbaren Grund? Warum merkt der Glückliche andererseits nicht, dass die anderen ihn nicht verstehen und ihn stattdessen als Scheusal abstempeln? Das hört sich an wie eine Problemgeschichte? Nein, es ist eine wunderbare, die so glücklich ist wie Linus, der zottlige Bär.

Glück ist einfach

Das ist ja eine schöne Geschichte! Im Land der Bären geht es so ähnlich zu wie im Land der Menschen. Hier wie dort gibt es die unterschiedlichsten Personen: »schwarze, weiße, braune ... große, kleine, dünne. ... schick frisierte ...«. Man sollte meinen, dass in einer Gesellschaft, in der es sogar karierte, gestreifte und gepunktete Bären gibt, auch einer wie Linus seinen Platz findet. Aber Linus ist den Bären unheimlich. Wie kann einer nur so zottelig sein? Und noch viel, viel schlimmer: Wie kann einer so glücklich sein? Ist das Lächeln, das seine blitzenden Zähne zeigt, nicht eher zum Fürchten? Und leuchten die Augen aus seinem arg behaarten Gesicht nicht ziemlich unheimlich?

Wenn jemand einfach nur glücklich ist, sich nicht um Befürchtungen und Ängsten kümmert, sich nicht einmal verteidigen will, wenn er – warum auch immer – angeklagt wird, dann kann etwas nicht stimmen. Das MUSS bestraft werden, irgendwie! Linus der Glückliche wird verbannt. Es macht ihm nicht wirklich etwas aus, jetzt in (und kurz darauf vor) einer Höhle zu leben, denn er ist nach wie vor glücklich. Und nach den Vögeln als erste neue Freunde finden sich bald auch andere ein. Ein Eremit – und als solcher wird Linus von den »reisenden Bären« bald anerkannt – ist klug und weise, auch wenn er nicht viele Sätze (genauer gesagt: drei) von sich geben kann. Sie sind ja interpretationsfähig.

Herrlich, wie tapsig Linus bereits auf dem Cover dargestellt wird, während er durch das hohe Gras läuft, umringt von einigen Vögeln. Da wissen wir – genau wie in der Geschichte – noch nicht, dass das Ungetüm gar keins ist und dass die Vögel ihn nicht angreifen, sondern liebevoll begleiten und dass er gar niemanden angreifen will, sondern vor lauter Glück nicht recht weiß, wohin. Aus seinem zotteligen Fell stechen die blauen Fuß- und Handsohlen heraus und die beiden weißen Zähne aus der langen Schnauze, die ihn wirklich gefährlich aussehen lassen.

Britta Gotha erschafft eine wunderbare Parallelwelt der Bären, in die wir uns bereits mit gut drei Jahren hineinversetzen können, wenn wir die ‚Als-ob-Phase‘ erreichen. Wir spielen, als ob wir ein Bär wären, wie Linus aus der Stadt vertrieben wird – und wie er von anderer Seite wieder anerkannt wird. Zu den Bildern ließe sich sehr viel Positives berichten, vom Mut der Beschränkung und der Streckung in die Horizontale, von der mutigen Farbgebung und den Orten wie den ungewöhnlichen Bärenfellen und Bärentypen.

Kurz: Botschaft, Text und Bilder sind SEHR gelungen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en