Isabel Pin:
Das Glück des Bären

Weinheim Basel: Beltz & Gelberg  2016

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-82144-7
28 S * 12,95 € * ab 02 J

 

 

 

 

Das Glück ist ein schöner Tag, an dem man seinen Freunden helfen kann und zugleich versteht, dass nicht ein jeder alles gleich gut kann. Der Bär lernt, dass das Pflücken von Eicheln oben auf dem Baum nicht zu seinen starken Seiten gehört – aber dafür kann es das Eichhörnchen umso besser. Ein gutes Buch für erste Erkenntnisse zur Selbst-Akzeptanz.

Glück ist: Hand in Hand zu sitzen

Isabel Pin zeichnet einfache Figuren in einer einfachen Landschaft. Bär, Hase, Eichhörnchen, Eule, Fuchs und dem Raben gibt sie fast keine Konturen außer den Farben, Fell und Federn werden mit kleinen schwarzen Strichen angedeutet, die auch einem Igel mit Stachelausfall stehen würden. Die runden Augen mit den schwarzen Punkten im Weiß sind jeweils auf den Freund gerichtet. In der Mitte des Buches stellt der Bär noch einmal – allein auf der Lichtung im Wald – fest, dass das Leben schön ist. Danach scheint die Geschichte zu kippen, denn der Bär bemerkt, dass er dem Eichhörnchen doch nicht so gut helfen kann wie dem Hasen und der Eule. Und er beginnt nachzudenken. Er akzeptiert seine kleinen Unzulänglichkeiten und kann dadurch auch dem Raben einen Tipp geben, wie man Unvermögen in Erfolg umändern kann. Am Ende sitzen alle Sechs auf einem umgekippten Baumstamm, eng an eng und alle mit einem leichten Lächeln um den schwarzen Strichmund.

 

Die Bilder sind eigenartig leer. Die Flächen sind mit Kreidefarben und Buntstiften gezeichnet, eine kleine Windbewegung und Wolken werden durch Krakeluren aus Braun und Blau angedeutet. Sehr disloziert findet sich hier und dort eine Blume, eher plumpe Schmetterlinge, die auf Bäumen landen, die nur wenig größer sind als sie selbst. Das lenkt den Blick auf die Tiere, die sich selbstverständlich wie Menschen verhalten. Die kleine Eule schläft nicht etwa nur auf einem Zweig sitzend, sondern sie braucht ein richtiges Nestbett; der Fuchs hat die Eier nicht etwa aus dem Hühnerstall gestohlen, er will sie bunt bemalen (vielleicht ist ja bald wieder Ostern); der Rabe hat auf dem Schmutztitel Doppelkirschen gepflückt und sie dem Bären über die Ohrmuscheln gehängt. Hoffentlich ist bald Kirschenzeit!

 

Die Reduktion in Text und Bild spricht dafür, dass auch Kinder ab gut 2 Jahren Vergnügen am Buch haben. Das Vorlesen mit oder von Geschwistern oder Kindern im Kindergarten führt ganz automatisch dazu, seine eigenen Stärken und Schwächen wie die der anderen wertfrei zu sehen und anzuerkennen.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en