Berlin: Kindermann 2016

www.kindermannverlag.de

ISBN 978-3-934029-66-8
24 S * 15,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Der alte Herr war ein Kinderfreund, der Sohn und Erbe ist ein Egoist, der seine Birnen den Kindern nicht gönnt. Gut, dass der Alte vorgesorgt hat. Tolle Bilder hat Dorota Wünsch der bekannten Ballade beigesteuert.

Ik hebb ne Birn

Über 130 Jahre alt ist die kleine Geschichte, die Theodor Fontane in Form einer Ballade erzählt, nur fünf Strophen, 42 Verse, je paarweise gereimt. Eine intakte soziale kleine Welt wird eröffnet. Hier der Kinderfreund, der jedem Jungen und jedem Mädchen zur Erntezeit eine Birne schenkt, dort die Kinder, die sich jedes Jahr wieder gern die leckeren Früchte von ihm schenken lassen. Ganz anders der Erbe, der Sohn des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland!

Ihn zeichnet Dorota Wünsch als Kinder hassenden Mann in Reiterkleidung und mit einem scharfen Hund mit vielen spitzen Zähnen, der die Kinder verbellt und nur mühsam von der Leine gehalten wird. De Jung und de lütt Dirn dürfen norddeutsches Platt sprechen. Die Illustratorin zeichnet sie als ein bisschen einfältig und naiv, dennoch aber als liebenswerte Kinder, die mehr lachen und sich freuen, als sich über Weltprobleme Gedanken machen. Die kleine Welt ist noch in Ordnung – und so soll sie möglichst auch bleiben. Der alte Herr von Ribbeck macht es vor, wie man auch nach seinem Tod noch wirken kann.

Die Bilder kennzeichnen die Illustratorin – und umgekehrt: Ihr Stil ist deutlich wiedererkennbar. Arme und Beine der Personen scheinen aus Gummi geformt zu sein, die Körper eher plump als ‚wohlgeformt‘, die Nasen extrem groß, die Augen sehr weiß mit schwarzer Iris – herrlich, wie die Mutter zu ihrem Sohn an der Hand hinunterschaut, dieser zum älteren Mädchen knapp hinter den beiden hinauf, die wiederum auf den Vogel hinaufschaut, der auf dem Grabstein des alten Herrn von Ribbeck sitzt. Über ihm der Birnbaum, der aus dem Grab wächst und viele Früchte trägt.

 

Eine gute Wahl, die Ballade in der Reihe „Poesie für Kinder“ einzureihen und so herrlich zu illustrieren.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en