Will Gmehling & Wiebke Oeser:
Gott, der Hund und ich

Wuppertal: Peter Hammer 2016

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0557-5

32 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Der Vater ist arbeitslos, die Mutter sitzt an der Kasse des Lebensmittelmarktes, der junge Ich-Erzähler allein im Regen auf der Schaukel. Da kommt »Gott in seiner alten Jacke. Ich wusste sofort, dass er es war.« Die kurze Geschichte entwickelt erstaunliche Nachwirkungen – nicht zuletzt wegen der sehr passenden Bilder.

Unterwegs

Wiebke Oeser zeichnet und färbt mit Kreide, umrandet Flächen stärker als die Färbung der Flächen, beides jedoch ‚unordentlich‘. Den großen Platz nutzt sie nicht, stellt vielmehr hier die blaue Schaukel mit dem roten Seil plus Sitz auf, dort eine grüne Bank neben dem blauen Papierkorb am braunen Pfahl, die hellblaue Leiter lehnt an einer angedeuteten Hauswand, der blassrote Mülleimer hat Lisenen und einen Deckel. Der Junge und ‚Gott‘ stehen sich gegenüber wie in einem Zeitspiegel.

Links der junge Erzähler mit einer geröteten Fläche von Ohr zu Ohr und Strubbelhaaren, einer blassgrünen Jacke, in deren Taschen die beiden Hände stecken, darunter: blaue Hose und gelbe (Gummi?) Stiefel. Von ‚Gott‘ sehen wir nur den Oberkörper, der farblich dem des Jungen entspricht. Ungewöhnlich ist jedoch die Fellmütze, die auch als Haar durchgehen könnte, der Schal und – vor allem – wegen der enormen Nase. Auf der nächsten Doppelseite kommen sich die beiden deutlich näher. Beider Augenbrauen sind neugierig noch höher gezogen als zuvor. Die Augen selbst erscheinen dabei in Zusammenhang mit den Mündern als freundliches Entgegenkommen.

Ob Gott wirklich so aussieht – falls es ihn denn gibt – wie wir ihn hier sehen, kann vielleicht bezweifelt werden, zumal er am Ende mit dem Hund »hinter den Büschen« verschwindet. Dass der Erzähler per Bild mindestens zwei neue Freunde gewinnt, darf auf der positiven Seite vermerkt werden.

 

Eine scheinbar einfache Geschichte hinterlässt viel Nachdenklichkeit. Sofort, aber auch am Tag drauf und mehr noch später. Wer ist/war der, den der Junge als Gott empfand? Er tut kaum etwas, lässt Dinge geschehen, schiebt dabei den Blick der anderen (besonders unseren) auf die Situation selbst. Lächerlich fast, dass er mit Flipflops an den Füßen herumläuft wie einer, der kein Geld und vielleicht auch kein Zuhause hat.

Genau dieses Bild bleibt letztlich: Gott ist einer, der auf die Erde kam ohne rechten Boden unter den Füßen. Seine Botschaft wird nicht verkündet, sein Leben hier als einer aus der Unterschicht passt dazu.

 

Falls du also einen ‚Fahrenden‘, Wohnungslosen, Sandler irgendwo siehst, wie er mit seinem Hund am Rand der Fußgängerzone sitzt, denk noch mal zurück.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en