Paul Maar & Helga Bansch:
Greta und die magischen Steine

Berlin: Annette Betz 2016

www.annettebetz.de

ISBN 978-3-219-11695-3
36 S * 14,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Eine Art Märchen aus der Zeit, als Männer ihre Familie verließen, um jenseits des Atlantiks nach Gold zu suchen. Zurück bleibt eine Frau mit ihrer Tochter und der Armut, die sich verschärft, da Stück um Stück das Hab und Gut verkauft werden muss. Eine merkwürdige Alte bringt die kleine Greta dazu, zum Meer zu gehen und dort auf die Rückkehr ihres Vater zu warten.

Der verlorene Vater

Paul Maar öffnet zunächst einen Kosmos des Lebens auf dem flachen Land, auf dem man des Nachts noch die Turmuhr schlagen hört und es früher sogar am Tag so still war, dass man die kleinen Geräusche von Tieren und Pflanzen hören konnte, ja sogar das »Klicken und Klacken« der Zwerge, die unter Tage nach Gold gruben. In dieser Stille konnte man auch Wesen im lichten Nebel sehen, die sich schnell in Schwäne verwandelten, wenn sie sich beobachtet fühlten.
In dieser Zeit spielt die Geschichte von Greta und ihrer Mutter, von ihrem Hund Karo und von ihrem Vater, der die Familie vor vielen Jahren verließ, um in der Fremde jenseits des großen Meeres das Glück zu finden. Die beiden Zurückgebliebenen mussten nach und nach ihr Hab und Gut verkaufen, sodass ihnen nur noch eine Kuh blieb. Milch wurde zu einem sehr kostbaren Gut, und als diese merkwürdige Frau an die Tür klopft, die »etwas Weißes essen« müsse, aber kein Geld habe, da verweigert die Mutter die Erfüllung des Wunsches. Die vielleicht 6 Jahre alte Greta gibt der in weißem Gefieder Gewandeten mit den wirr stehenden grauen Haaren heimlich einen kleinen Becher und erhält als Lohn einen weißen Stein. Und einen Rat: »Wenn du [deinen Vater] nicht suchst, wird er nicht kommen.« und: »Geh zum Meer.«

 

Der romantischen Erzählung von Paul Maar gibt Helga Bansch Boden. Eine dreigeteilte Landschaft zeigt fast kahle graue Baumstämme vor einem hellen Himmel aus weißem Nebel, der sich auf der rechten Seite unter der gelben Sonne etwas lichtet und eine geschwungene Landschaft mit einigen Feldern zeigt. Im Vordergrund auf der gewirkten grünen Fläche steht, in Weiß gedruckt, der Text. Ganz sauber und einfach zeichnet sie Greta, ihre Mutter und das Haus, verzichtet dabei auf eine Art fotografischer Totalen. Immer noch hell, aber doch ganz anders dann die Besucherin mit ihrem starken Körperbau, der sich auch in einem groben Gesicht deutlich macht. Wäre da nicht das ganz feine Lächeln in den Mundwinkeln, man könnte sich auch fürchten, hat man doch vorhin etwas von Werwölfen, Untieren und Hexen gelesen. Wunderbare Bilder gelingen der Illustratorin von Greta am Ufer des Meeres, wo »sich das Mondlicht im nassen Sand am Rand des Wassers« spiegelt.

 

Auch wenn die Geschichte ein bisschen glücklich endet, so sind wir doch weit entfernt von einem »Happy End«. Das können die Kinder, denen das Buch vorgelesen wurde, erfinden, wenn sie wollen. Und wir könnten zu bedenken geben, dass ja immer noch Armut da ist. Zwar sind die Fensterläden des Hauses so lindgrün wie die Schürze der Mutter, aber die grauen Bäume zeigen nicht die Spur eines Ansatzes von Blättern.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en