Nikolaus Heidelbach:
Arno
und die Festgesellschaft mit beschränkter Haftung

Weinheim, Basel: Beltz & Gelberg 2016

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-82145-4
60 S * 29,95 € * ab 08 J

 

 

 

 

Arno erlebt kurz vor seinem 7. Geburtstag Aberwitziges, Traumhaftes. Dinge aus seinem Leben mischen sich mit völligem Nonsense – und alles wird von herrlichen Bildern begleitet, ganz so, als fände all das Beschriebene wirklich statt.

FmbH*)

Nein, so ganz richtig klärt sich das Geschehen auch am Ende nicht auf. So, wie mehrfach in der Geschichte, wird auch am Ende darauf hingewiesen, dass Fragen nicht beantwortet werden. Arno versucht verschiedene Tricks (»Ich frage mich selbst, ob ...« / »Ich glaube, dass ...«), seiner Begleiterin durch die Geschichte doch noch einen Sinn zu entlocken. Das kann man Nikolaus Heidelbach in der Tat vorhalten, dass es auch am Ende keine wirkliche Auflösung gibt und dass es zu viele Einzelgeschichten gibt, die Kinder wie erwachsene Vorleser letztlich etwas ermüden.

Man kann sich gut vorstellen, wie Heidelbach das Buch entwickelte, sich von einer merkwürdigen Situation in die nächste hineindenkt und von dort aus weiter. Die Hauptfigur neben Arno ist ein »Schuhschnabel«, ein ‚Balaeniceps rex‘, also ein Schreitvogel oder Ruderfüßler, der sich zum Schluss ganz kurz als Verkleidung eines Mädchens zeigt. Oder war das auch nur eine weitere falsche Fährte, die ebenfalls in ein Nichts führt?

 

Das Buch hat ein ungewöhnlich großes (Quer-) Format und für ein Bilderbuch sehr viele Seiten und ganz viel Text, der in drei Spalten im Flattersatz gedruckt und von den rechteckigen Bildern abgesetzt ist. Die Bilder sind – wie bei diesem Illustrator nicht anders zu erwarten – d a s Bemerkenswerte. Wer noch keine von Heidelbach sah, wird sich schnell auf seine sehr aufwendig und klar gestalteten einlassen, ohne recht zu ergründen, woher sie ihre Merkwürdigkeit beziehen. Begriffe wie Klarheit und fehlender Hintergrund sind zu nennen, die sogar gelten, wenn Arno vor einem Rastermuster oder einer Faltwand steht. Lächerlichkeit in einer Ernsthaftigkeit ist ein anderer Aspekt, der wiederum die Person eben dieser nicht aussetzt. Nikolas Heidelbach ist ein Meister der Paradoxie, die er in seinem Text hier allerdings etwas übertreibt und dem Leser Geduld zumutet – auch wenn sich diese am Ende doch gelohnt hat.

 

PS Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist der Titel nicht zufällig gewählt, sondern verweist auf den Schriftsteller Arno Schmidt (1914 bis 1979): "... seine Werke ... sind sprachlich von einer ungewöhnlichen, sich oft am Expressionismus orientierenden Wortwahl geprägt. Formal kennzeichnet sie das Bemühen um neue Prosaformen, inhaltlich sind sie von einer kulturpessimistischen Weltsicht und einer angriffslustigen Gegnerschaft gegen das Westdeutschland der Adenauer-Ära geprägt ..." (https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Schmidt)

 

*)FmbH = Festgesellschaft mit beschränkter Haftung

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en