Mac Barnett & Patrick McDonnell:
Das Stinktier

Aus dem amerikanischen Englisch von Barbara Küper
München: Tulipan 2016

www.tulipan-verlag.de

ISBN 978-3-86429-278-1
32 S * 13,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

 

So sehen zwei ausgesprochen sympathische Wesen aus, der Mann in seinem schwarzen Frack, der großen Brille und der roten Fliege am blütenweißen Hemdkragen und das schwarz-weiß gestreifte Stinktier mit dem großen buschigen Schwanz und der roten Knubbelnase. Der eine folgt dem anderen auf Schritt und Tritt. Eine herrliche Geschichte in tollen Bildern!

 Stalking geht anders

 

So etwas kann einem passieren. Man macht die Haustür auf – und steht auf der breiten Stufe einem „Streifenskunk“ gegenüber, den man auch unter dem Namen ‚Stinktier‘ kennt. Man bückt sich, schaut sich an, der eine erstaunt und neugierig mit großen Augen, der andere in der Mimik: „Ich bin jetzt da. Freust du dich? Wenigstens ein bisschen?“ Wir sehen die Beiden auf dem ersten Bild, das mit wenigen geraden Linien in unserer Vorstellung einen Raum schafft, der eindeutig doch zweidimensional ist. Vier kurze Querlinien deuten Bretter der Hauswand an, eine senkrechte die Hauskante, die Stufe vor dem Haus besteht aus zwei Rechtecken. Das Gras ist aus unordentlichen Krakeluren, aus einem kleinen Busch blitzen sieben (auf dem übernächsten Bild sind es nur noch sechs) rote Rosenblüten.
So eine Begegnung kann, muss eine erschrockene Reaktion hervorrufen. Hier versucht der Mann möglichst ruhig zu bleiben, um das Tier nicht zu erschrecken. (Kurzer Exkurs: Stinktiere heißen so, weil sie bei vermuteter Gefahr aus einer Anal-Drüse ein ausgesprochen übel riechendes Sekret ‚abschießen‘ können.) Davon möchte niemand getroffen werden, keine Fressfeinde und erst recht auch kein Unbeteiligter wie der Mann im schwarzen Frack, der die Geschichte mit wenigen Worten pro Bild selbst erzählt. Er versucht, dem Stinktier zu entkommen, doch das lässt sich nicht abschütteln, antwortet nicht auf Fragen (wie auch?), stellt keine Forderungen, lehnt auch angebotenes Essen (Apfel, Milch) oder Bestechungen (Taschenuhr an der Kette) ab, folgt zu Fuß, per Taxi, in die Oper, auf den Friedhof, in das Riesenrad. Erst in der Unterwelt der Kanalisation gelingt es dem Mann, das ihn verfolgende Tier abzuschütteln.
Ist die Geschichte damit beendet? Mitnichten. Wir müssen noch zwei, sogar drei starke Wendungen der Geschichte mitmachen – weitere Änderungen vorbehalten.

Die Bilder kommen – bis auf die Stimmungsveränderungsszenerie – mit den beiden ‚Nichtfarben‘ Schwarz und Weiß aus, gefolgt von den roten Tupfern und einem Ocker, das man zunächst kaum wahrnimmt, aber auf (fast) allen Bildern vorkommt. Zunehmend werden die Bilder durch ein Grau ergänzt, zielen vielleicht schon auf die Farbexplosion hin, die sich in der bereits oben genannten Wendung für eine kurze Weile einstellt.

 

Die Geschichte ist sehr intensiv, auch weil sie nicht einmal Zwischen-Auflösungen anbietet. Die Bilder treffen so sehr diesen Ton, dass man zumindest vermuten muss, dass Mac Barnett und Patrick McDonnell sehr eng miteinander arbeiteten. Gern mehr davon!

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en