Jean-Luc Englebert:
Der kleine Bär in der Schule

Aus dem Französischen von Alexander Potyka
Wien: Picus 2016

www.picus.at

ISBN 978-3-85452-191-4
36 S * 13,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

Der kleine Bär findet im beginnenden Winter eine Strickmütze mit buntem Muster. Sie hängt an einem Baumzweig. Als er sie auf seinem Kopf platziert und am Waldrand auf die Schulkinder während ihrer Pause trifft, ist er unversehens ‚der Neue‘ und sogleich im Klassenzimmer. Dort lernen alle: 1 + 1 = 2, 1 + 2 = 3, 1 + 3 = ... Schule ist schön, aber am Ende ist der Kleine wieder da, wo er hingehört (die Mütze übrigens auch).

Eine Strickmütze und ihre Folgen

Kleine Bären in Bilderbüchern dürfen so sein, Kinder auch. Wie sie sein dürfen? Kinder dürfen sie sein, neugierig und lieb! So darf der kleine Bär seine kleinen Erkundungen machen, in seiner Gegend des Waldes, nicht zu weit weg von Zuhause, aber doch seinem Tatendrang und seiner Neugier folgen. Als er eine Strickmütze findet, die an einem Ast hängt, probiert er erst einmal aus, was man damit machen kann. Die Idee, sie auf seinen Kopf zu setzen, ist schon ungewöhnlich, sieht er doch nicht selbst, wie er damit ausschaut. Das tun aber die Kinder der Grundschule am Waldrand, und sie schließen messerscharf: Wer so eine Mütze auf dem Kopf hat, kann nur ein Grundschulkind sein. Also lassen sie ihn herein auf den Schulhof und nehmen ihn mit in die Schulklasse. Julia nimmt ihn an die Hand, denn neben ihr ist ein Platz am Doppeltisch frei. Beim Rechnen passt der kleine Bär noch auf, aber dann übermannt ihn die Jahreszeit: Sein Kopf wird schwer und schwerer, kippt auf Julias Schulter. Der kleine Bär schläft. Jedenfalls so lange, bis ihn die Lehrerin etwas unsanft wieder aufweckt.

Jean-Luc Englebert zeichnet zu seiner eigenen Geschichte Bilder von freundlichen Bären und freundlichen Menschen. Auf dem Cover haben alle 10 Kinder geöffnete Münder, unterhalten sich, rufen. Der kleine Bär steht und schaut neugierig. Sein Mund ist geschlossen, aber er ist freundlich nach oben gebogen. So bleibt er auch, bis er seiner Mutter letztlich von seinem kleinen Abenteuer berichten kann.

Sehr gelungen ist zu Beginn die Darstellung des spätherbstlichen Waldes, leicht unscharf die blattlosen Baumstämme, die die Farbe des Bären wiedergeben. In diese ‚farblose‘ Welt kommt die Mütze mit den roten und blauen Zickzack-Linien, die zugleich andeuten, dass die kommende kurze Zukunft ebenfalls einiges an Hin und Her geben wird. Folgerichtig bleibt die Mütze am Schluss im Wald, fast genau an der Stelle, an der der kleine Bär sie vor Kurzem fand.

Die Geschichte zeigt noch einmal den Erstklässlern, wie schön es ist, wenn man etwas weiß und dann etwas Neues dazulernt. Möge dieser Zustand lange andauern. Am besten: lebenslang.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en