Lindsay Mattick & Sophie Blackall:
Winnie. Die wahre Geschichte des berühmten Bären

Aus dem Amerikanischen von Annabel Lammers
Münster: Bohem Press 2016

www.bohem-verlag.de

ISBN 978-3-95939-027-9
56 S * 19,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

 

Ja, wir kennen A. A. Milnes Geschichten um Winnie Pu und auch die Kolumnen, die Harry Rowohlt unter Poohs Namen schrieb. Aber die wenigstens wissen, dass es Winnie wirklich gab, vom Tierarzt Harry Colebourne benannt nach seiner kanadischen Heimatstadt. 1914, als Soldat auf dem Weg nach Europa ersteht er ein Bärenbaby und nimmt es mit nach England. Die Autorin ist in direkter Linie mit dem Veterinär verwandt und sie erzählt die Geschichte ihrem Sohn, der nicht zufällig Cole heißt.

Ausgedacht? Mitnichten!

Bilderbücher leben erst in zweiter Linie von der Geschichte. Die Bilder in diesem Buch sind immer dann sehr gut, wenn sie nicht gar zu konkret werden, denn Sophie Blackall kann sich nicht recht entscheiden, ob sie nicht doch realistisch zeichnen soll. Das betrifft sowohl die fast als Vignette gestalteten schwarz-weißen Einwürfe im Text, die die Autorin mit ihrem Sohn zeigen. Den fast doppelseitig gestalteten Illustrationen hätte etwas mehr ‚Gestaltung‘ gut getan, so sind oft im Hintergrund etwas lieblos Flächen gefärbt – ohne ihnen den Stempel ‚künstlich‘ zu geben. Allein bei der Autofahrt von Harry im offenen Zweisitzer von 1915, auf dem Beifahrersitz links sitzt der inzwischen gewachsene Bär im Fahrtwind, nach London, gelingt auch Irrealles: Im Hintergrund sind die Steine von Stonehenge zu sehen, knapp unter den Wolken fliegt ein fast filigraner Doppeldecker, und die sanften Hügel sind gefärbt als wären es englische Tweedstoffe. Londons St. Paul’s Cathedral ist rechts im Hintergrund erkennbar, der riesige Zeigefingerturm dagegen kann nicht zugeordnet werden.

 

Die Geschichte selbst hätte auch als Sachbuch gestaltet werden können. Das zeigt sich vor allem an den letzten sehr informativen Seiten mit den Kopien der Fotos: Harry Colebourne als junger Soldat, Tagebucheintragungen vom August 1914, Winnie in unterschiedlichen Situationen, Statue von Winnie und Harry in Winnipeg.

Als Hommage an »Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand« widmet die Übersetzerin Annabel Lammers das Buch (dem ehemaligen Kollegen) Harry Rowohlt. Der könnte die ziemlich verrückte Geschichte sogar selbst erfunden haben, wäre er nicht 2015 verstorben.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en