Ulrike Möltgen & Michael Stavarič:
Milli Hasenfuss

Buchgestaltung Franziska Walther
Mannheim: Kunstanst!fter 2016

www.kunstanstifter.de

ISBN 978-3-942795-40-1
24 S * 19,80 € * ab 03 J

 

 

 

 

Nicht nur kleine weiße Häschen haben es schwer, sich vor den Fressfeinden zu verstecken. Milli ist in den Augen ihrer dunkelgrauen ‚Freunde‘ ein echter ‚Hasenfuß‘, ein richtiger Angsthase also. Kein Wunder. Also sucht Milli nach einem Versteck, in dem sein weißes Fell nicht auffällt, aber das ist gar nicht so leicht. – Ein sehr liebevoll gestaltetes Buch mit einer Geschichte, die ihre Sympathie für Andersartige deutlich zeigt.

Angsthase

Hasen verstecken sich vor ihren Feinden (Adler, Jäger, Fuchs ...) in ihrer Sasse. Nur, wenn es richtig ernst wird, sind sie schnelle Flüchter und schlagen ihre Haken selbst mitten in ihren großen Sprüngen. Wir sind mit Milli auf der Suche nach einem Versteck, flüchten erst einmal vor dem Spott der Gleichaltrigen, die ihn einen ‚Hasenfuß‘ nennen, einen Feigling also. Die haben gut reden! Sie sind dunkelgrau und können sich fast überall in der Umgebung verstecken. Milli aber erfährt, dass die roten Blumenblüten kein gutes Versteck für ihn sind, die gelben Schmetterlinge, der braune und grüne Wald auch nicht. Aber seine/ihre Zeit kommt noch – und dann kann sich Milli ein bisschen ‚rächen‘: »... was seid ihr doch für Hasenfüße? Wartet doch!«. Es ist nämlich Winter geworden, und eine weiße Schneefläche bietet keine guten Verstecke für dunkelgrau-schwarze kleine Hasen. Da haben die Häschen etwas gelernt, und die kleinen Leser des Buches auch.

Der Geschichte sehr angemessen ist die Gestaltung. Die Papierseiten sind sehr dick (240 g/m² sind etwa dreimal so dick wie normales Druckerpapier), das Cover ist auffällig durch die Prägung, der Vorsatz und die ersten Seiten durch die unterschiedliche Färbung von Schwarz.
Der Text benutzt ungewöhnliche Wörter, die wahrscheinlich der Erklärung bedürfen, in der Wiederholung aber einen gewollten Lerneffekt haben: Das hier ist kein ‚Hort‘ für dich. Der Winter ‚flockt‘ und ‚haucht‘. ‚Orkangesellen‘ und ‚Geröllriesen‘ bedrohen den kleinen Hasen in den Bergen. Usw.

 

Wir haben uns in dieser Rezension bisher um die Besprechung der Bilder gedrückt, aber sie sind es selbstverständlich, die das Buch ganz ‚besonders‘ machen. Die Häschen sind merkwürdig ‚süß‘, weit ab von der realistischen Gestaltung von Hasen, folgen eher einem Bild von einem Kuschelhäschen, das man auch mit ins Bett nehmen kann. Ihre tatsächliche Ausgestaltung aber geschieht unter mutigen Mischungen von verschiedenen Mal- und Collagen-Techniken. Grober Pinselstrich über feinen Strukturen, die von ausgeschnittenen Flächen überklebt sind, die wiederum eine Bearbeitung über sich ergehen lassen. Jede Doppelseite wartet mit einer Neuerung auf, kein Bild ist wie ein anderes gestaltet – und doch bilden sie innerhalb der Geschichte eine Einheit. Sehr beeindruckend!
Der Text ist gelb auf schwarzem Untergrund zumeist unter den Bildern gedruckt, nimmt sich in seiner Länge stark zurück. Kinder mögen Wiederholungen, die hier allerdings auf einfache wörtliche Wiederholungen verzichten. Auch hier werden die kleinen Betrachter gefordert – wie auch die vorlesenden Eltern / Großeltern.

 

Die Botschaft (für jeden kommt seine Zeit / jeder ist gut und wichtig zu seiner Zeit / wer nur klein denkt, bleibt auch klein ... ) wird kaum erwähnt, eine kleine ‚Rache‘ im Wort kann sich Milli am Ende nicht verkneifen, aber er/sie ist nicht wirklich böse auf seine/ihre drei Kamerad*innen. Das Geschlecht von Milli spielt übrigens überhaupt keine Rolle in der Geschichte.

Es ist das Buch, das total gelungen ist.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en