Christian Strich (Hg.):
Das große Balladenbuch

Illustrationen von Tatjana Hauptmann
Zürich: Diogenes 2016

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-01014-5
150 S * 39,00 € * ab 10 J

 

 

 

 

Dem Balladenjahr der Klassik (1797) folgend, sind hier viele klassische Balladen versammelt. Goethe und Schiller (13 Beispiele) folgen weitere 64 Autoren, einige mit einem, andere mit 5 Gedichten. Der chronologischen Sortierung nach den Geburtsjahren der Autoren folgt im Anhang ein alphabetisches Verzeichnis (Kriterium: Anfänge und Überschriften), sodass eine konkrete Suche schnell erfolgreich sein kann. Eine ausführliche Sammlung wunderbarer Balladen.

In seinen Armen, das Kind ...

Das Buch ist als ‚Hausbuch‘ angelegt, als Sammlung, die in möglichst jedem Haushalt vorhanden sein möge. Die Großelterngeneration ist wahrscheinlich noch mit dem Auswendiglernen vom Erlkönig, dem Zauberlehrling, der Bürgschaft und/oder des Knaben im Moor groß geworden, einige eventuell gar ‚gequält‘, denn nicht jeder Inhalt einer Ballade erschließt sich jedem Kind im Alter von vielleicht 12 Jahren. Alle Autoren sind bereits verstorben – auch inzwischen Georg Kreisler, der mit seinem Lied ‚Das Triangel‘ die Sammlung beschließt, das undatierte Volkslied ‚Zwei Königskinder‘ eröffnet sie.

 

13 ganzseitige Bilder hat Tatjana Hauptmann koloriert, zu (fast) jeder Ballade mindestens eine Bleistiftzeichnung gestaltet. Oft benutzt sie leicht unheimliche Szenen der Balladen und unterstreicht die Dramatik in den Texten. Im brechenden Auge des sterbenden Ibykus spiegeln sich einige fliegende Kraniche, ein riesiger Krake umklammert das Schiffswrack, zu dem der junge Edelknecht taucht, um den goldenen Becher aus dem wilden Meer an die Oberfläche zu holen, die Heinzelmännchen fliehen in wilder Kaskade, um den neugierigen Blicken des ‚Weibs‘ vom Schneider zu entkommen, ein Ehepaar steht auf luftiger Klippe und schaut in den tiefen Abgrund, hinter sich auf der Burgruine ein kleiner schwarzer Vogel.

 

Nicht alle Gedichte folgen dem dramatischen Ablauf der klassischen Ballade (Martin Walser, Erich Kästner, Georg Kreisler schrieben eher spöttisch) und es fehlen moderne Balladen, die in größerer Zahl durch das Phänomen des Poetry Slammings entstanden sind. Aber das ist ein neues Buch, das dem »großen Balladenbuch« durchaus folgen kann – es muss ja nicht so aufwendig mit eigenem Schuber gestaltet sein wie das vorliegende.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en