Sébastien Perez & Benjamin Lacombe:
Kleine Katzenkunde

aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Berlin: Jacoby & Stuart 2016

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941087-01-9
72 S * 19,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

In einer Art Ahnengalerie werden verschiedene Katzenarten vorgestellt und anschließend mit je einer Textseite sowie einer passenden ganzseitigen Illustration charakterisiert. Der Humor, der sowohl im Text als auch im Bild mitschwingt, ist ziemlich speziell und manchmal auch jenseits von grau, nämlich schwarz. Herrliche Bilder, herrliche Geschichten! (Übrigens auch für Katzenhasser!)

Siamesische Katzenzwillinge

14 Katzenarten in 15 Geschichten lassen es nicht an schwarzem Humor fehlen. Da gibt es die schwarze Katze, die es leid ist, als Unglücksbringer zu gelten. Also springt sie auf der Baustelle in die hellgraue Masse, die sie kurz darauf allerdings vollständig umschließt und fest wird – bis auf eine vordere Tatze. Sokrates wird zu einer »Maneki-neko«, einer Winkekatze, die man ins Schaufenster stellt, damit sie das Glück hereinwinkt. Der Nacktkater Hippolyt hatte es schwer, seit sein Frauchen diesen langhaarigen Freund hatte. Da kam es ihm gerade recht, dass er die Gelegenheit erhielt, dem duschenden Mann anstatt des Haarshampoos die Enthaarungscreme an die Dusche zu schieben.

Von dieser Art sind die Geschichten. Alle gehen davon aus, dass die Katzen und Kater den kleinen Sieg verdient haben – bis auf Monika, aber das ist eine Hündin, die das allerdings nicht so genau weiß. Vielleicht auch Nikki, die sich in eine Maus verliebt, eine Fledermaus. Wir sehen ihren Schatten und wissen, dass es sich um Batman handeln muss.

Alle Portraits beginnen mit dem Konterfei einer Katze, selten auch mehrere, in je einem bombastischen Rahmen. Der Verlag spendiert hier großzügig Druckseiten, wie er auch Teile des Covers prägen ließ. Die Akkuratesse von Lacombes Illustrationen muss kaum noch erwähnt werden. Seine Katzen sind von ‚allerliebst‘ bis ‚bemitleidenswert‘, die Umgebung selbst in den Nebensächlichkeiten detailliert. Hier steht ein gepolsterter Hocker mit barocken Beinen, dort meint man den roten Laserpointerfleck als Auge auszumachen, hier werfen die siamesischen Zwillingskatzen einen scharfen Schatten, der sie – fast –, doppelt, dort hängen drei kleine Kätzchen in den Strümpfen auf der Wäscheleine.

Ein Buch also für Katzenliebhaber, die sich und ihre Vorlieben aber auch selbst nicht ohne Humor sehen. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder ab vier Jahren, falls sie über Katzenerfahrung verfügen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en