Thomas Winding:
Mein kleiner Hund Mister

Illustrationen von Wolf Erlbruch

aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs
Hamburg: Aladin 2016

www.aladin-verlag.de

ISBN 978-3-8489-2075-4
160 S * 16,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

Thomas Winding ist/war ein hervorragender Erzähler. Auch hier sprudeln die Geschichten innerhalb der Rahmenhandlung, die immer wieder hineinragt, nur so heraus. Herr und Hund sprechen die gleiche (von Gabriele Haefs übersetzte) Sprache, auch wenn sie nicht die gleichen Bedürfnisse haben. Hund will vor allem Fressen. Mensch lässt sich auf ihn ein, verweigert ihm aber (zumeist) mehr als eine tägliche Mahlzeit, bezahlt dafür mit wunderbaren Geschichten.

Hund und Herr und Hund

Die »16 Vorlesegeschichten« haben 17 Überschriften, einige werden allerdings fortgeführt, sodass es eigentlich nur 15 sind. Plus die Rahmenhandlung – und damit sind es dann wirklich 16. Thomas Winding schrieb die ersten 11 (+1) bereits 1988, die anderen drei Jahre später. Er erzählt von sich und seinem Hund, der eines Tages vor seiner Tür steht und Einlass begehrt. Es wird eine Verbindung bis zu den alten Tagen des Hundes, der sich selbst als »Mister« vorstellt. Später werden wir erfahren, woher der Name kommt, wer ihn ihm gab und warum er sich daran nur sehr ungern erinnert. Mister nimmt also den kleinen Finger, der ihm gereicht wird, um sich sogleich einzurichten im Haus des »Herrn«. Beide gewinnen selbstverständlich durch die Verbindung. Der Autor hat jemanden, mit dem er sprechen kann, dem er seine Geschichten erzählen kann, dem er nachgeben kann. Der Hund, ein kleiner Mischling, hat nach einer schlimmen Erfahrung (siehe »Mister und der Stock«) jemanden gefunden, der ihm ein Leberwurstbrot schmiert und durch die offene Tür trotz Verbots ermöglicht, am Fußende des Bettes zu übernachten.

Das ist so liebevoll geschrieben, dass selbst überzeugte Haustier-Verweigerer in Versuchung geraten könnten, sich eines Hundes anzunehmen. Er könnte ja »Mister 2« heißen.

 

Wolf Erlbruch hat Hund und Autor = Herr ein Gesicht gegeben. Beide erkennt man an einer langen roten Nase, den kleinen Hund an seiner extrem langen Schnauze, den Autor an seinem runden Kopf mit den riesigen Augenbrauenbögen und den wenigen abstehenden einzelnen Haaren. Die großen Hände passen nicht so recht zu den schlanken Beinen, aber der feine, schmale und (gerade so eben) freundliche Mund machen ihn sehr sympathisch. Erlbruch steuert 15 ganzseitige und 33 kleinere Bilder bei, indem er Flächen schwarz umrahmt und sie anschließend farbig ‚unordentlich‘ färbt oder mit Linien füllt. Prinzip ist dabei, dass viele unterschiedliche Gestaltungsmerkmale zusammenkommen und eher unterschwellig dabei den Personen / Tieren Gefühle zukommen, die sich auf den Text berufen – oder auch darüber hinausweisen.

 

Vorlesegeschichten – da könnte man an die Zeit vor dem Einschlafen denken, aber dazu eignen sich diese nur bedingt, da sie immer wieder aus den Einzelerzählungen ausbrechen in die Rahmenhandlung, aber auch, weil sie unterschiedlich lang sind.

Ein Abend ist nicht so wie jeder Abend.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en