Thé Tjong-Khing:
Hieronymus.
Ein Abenteuer in der Welt des Hieronymus Bosch

Frankfurt: Moritz 2016

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-321-6
48 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Das herrliche Abenteuerbuch mit den vielen Handlungssträngen führt uns in die Bilderwelt des Hieronymus Bosch, ohne dass auch nur ein Wort fällt. Das muss man ganz oft anschauen, denn Vieles entgeht nicht nur dem flüchtigen Betrachter, bleibt im Unklaren, bis man sich auf einen Strang konzentriert, ihn eventuell kurz verliert, um ihn zwei Seiten weiter wieder aufzunehmen. (Wieder) Sehr toll gemacht, Herr Thé!

Gute und böse Monster

Ein Junge spielt nicht weit vom Haus auf dem Hügel mit seinem Hund. Dann passiert es. Er kommt zu nah an die Klippe und stürzt hinunter. Dabei verliert er seine Mütze, sein Netz mit dem Ball, seinen Rucksackbeutel. Das Seil ist um seine Hüfte gebunden, er wird es noch brauchen. Er stürzt in einen See, der zu einer völlig anderen Welt gehört, in dem seltsame und skurrile Wesen leben, die Erwachsene (vielleicht) kennen, denn sie sind in ihrer Art ausgedacht worden von Hieronymus Bosch, der seine Bilder um 1500 erschuf: Käfer mit vielen Beinen, die je paarweise auch zu Menschen gehören könnten, Zweibeinige mit Froschkörper, gehörnten Ohren und Zweizehenhufe, Pfauähnliche mit Gänsebeinen in schwarzen Stiefeln und langem Löffelschnabel, Wanzen und Lurche mit Attributen von anderen Tieren.
Neben dem Jungen gibt es eine weitere Hauptfigur mit Menschenarmen, langen Haaren, Krokodilschnauze mit spitzen Zähnen, zwei davon als Keiler ausgeprägt. Die drei Attribute des Jungen (Ball, Beutel, gelbe Mütze mit roter Feder) im Lauf der Geschichte finden, sind wir auf dem Weg eines der Handlungsstränge.
Sie werden uns zu entführten Kindern der Wesen führen, die der Junge befreien wird, bevor die Geschichte ähnlich endet, wie sie begann. Hat er das alles nur geträumt, damit sich uns wenigstens kleine Räume des Hieronymus Bosch’schen Kosmos auftun?

Die Reise hinein lohnt sich mehrfach.

 

Vielleicht führt sie auch in ein Museum, das weitere ‚Zimmer‘ zeigt. (Jubiläumsschau im Het Noordbrabants Museum in Boschs Heimatstadt 's-Hertogenbosch 13. Februar bis 08. Mai 2016)

Hieronymus Bosch hieß eigentlich Jheronimus van Aken, wurde um 1650 in ‚s-Hertogenbosch (Niederlande) geboren und starb dort 1516). Seine Bilder geben bis heute vielfältigen Anlass für Deutungen und Interpretationen. Oft werden einzelne Bildelemente mit den (sieben katholischen) Todsünden in Verbindung gebracht: Zorn, Hochmut, Wollust u. a.

 

auf der Auswahlliste zum LesePeter August 2016

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en