Anne-Caroline Pandolfo:
Die TintenSpinner

München: Mixtvision 2016

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-95854-051-4
28 S * 12,00 € * ab 03 J

 

 

 

 

Zwei ungleiche Tiere zeigen sich gegenseitig, was sie können. Auf sehr witzige Weise spornt sie ihr kleiner Wettkampf zu immer neuen Hochleistungen an. Alles geschieht wortlos. Allein die Trennung der beiden auf je einer der quadratischen nicht sehr großen Seiten und die Stellung der großen Augen signalisieren, was sie wohl antreiben mag. Ach ja, das eine Tier ist ein großer roter Oktopus, das andere eine schwarze Spinne.

Alles, was du kannst, das kann ich viel besser ...

Der Titel ist zweifarbig gestaltet, »Die» und »Spinner« in Schwarz, »Tinten« dazwischen in Rot. Damit wissen wir schon einmal, dass das rote Tier etwas mit Tinte zu tun hat, das andere mit Spinnen. Als sich die beiden zum ersten Mal begegnen, werden sie von je einem Fragezeichen begleitet, wobei die Farben sich für das Zeichen wechseln. Auch wenn die Augen nach vorn, also zu uns gerichtet sind, verweisen die riesigen Pupillen zu dem jeweils anderen Tier. Das Weiß im Auge ist kaum zu erkennen. Während die beiden nach dem Umblättern herangezoomt werden, verändern sich die beiden Satzzeichen in je drei Punkte, die Augen schauen nach vorn, allerding an uns vorbei. Eine Zentralperspektive ist nicht zu erkennen, denn beide Tiere haben keinen Hintergrund, sind auf das weiße Papier gesetzt.

Die Spinne ist sehr einfach gehalten, die Flächen sind glatt schwarz, die Beine an einem Knie leicht oder stark geknickt, der Kopf fast so groß wie der Körper, der Faden hält sie in der Schwebe. Die Saugnäpfe des Oktopus sind in Orange gehalten mit schmalem gelben Rand, dem Körper sieht man an, dass er mit rotem Filzstift Struktur erhielt. Die einzelnen Bahnen sind Strich an Strich gefärbt. Die beiden Körper sind also deutlich je anders. Sind sie ja auch.

Die Angeberei beginnt mit dem Tintenfisch, der einen schwarz-wässrigen Klecks mit seinem Körper produziert, um die Spinne zu beeindrucken. Umblättern. Die Spinne beeindruckt durch eine Spinnstruktur. Umblättern. Der Oktopus ... so geht es noch eine ganze Weile weiter, bis ... Ja, da gehen die Meinungen der Betrachter durchaus auseinander. Entsteht nun eine wunderbare neue Freundschaft, oder ist es doch ein kleiner Hinterhalt, in dem der eine den anderen nicht nur übers Ohr haut?

 

Kindergartenkinder ab 3 Jahre werden sich in den Situationen sofort wiedererkennen. Es müssen gar nicht die echten Angeber sein, die  a l l e s  besser können, es reicht schon der kleine Streit mit einem anderen Kind aus. Mein Vater hat ein großes Auto mit 5 Sitzplätzen. – Das Auto von meinem Vater hat sogar 6 Sitzplätze! – Ich darf am Abend bis 9 Uhr fernsehen. – Ich darf sogar ... Die Sinnlosig- und Lächerlichkeit solcher Wettkämpfe wird hier wunderbar deutlich. Auch für die Kinder.

 

P. S. Der Originaltitel (»Les Artistes«) verweist eher auf die Einzigartigkeit der Künste von Oktopus und Spinne, tut also so, als würden sie nur zeigen, wie gut sie etwas können. Die deutsche Ausgabe hat viel besser die Doppeldeutigkeit des Wortes »Spinnen« im Titel.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en