Murti Buanta & Hardiyono:
Prinzessin Kemang. 
Ein indonesisches Volksmärchen aus Sumatra

Aus dem Indonesischen von Jan Budweg
Gäfelfing: Edition Bracklo 2016

www.edition-bracklo.de

ISBN 978-3-9815066-9-3
40 S * 19,80 € * ab 03 J

 

 

 

 

Auch in diesem Märchen geht es, wie so oft, um eine Prinzessin und einen Prinzen und ihre Vermählung. Aber das ist auch schon alles, was an die bekannten europäischen Märchen erinnert. Vieles ist anders. Das beginnt damit, dass das Mädchen alles macht, was sonst nur den Männern vorbehalten ist, und es endet konsequenterweise, dass sie ihrem künftigen Ehemann einen Antrag macht, den dieser (selbstverständlich) annimmt.

Prinzessin sein (?)

Das Buch hat ein quadratisches Format. Das spricht für Ausgewogenheit und Gleichheit. Und genau das finden wir in der Geschichte, auch wenn zu Beginn oft Wert darauf gelegt wird, dass sich die Prinzessin benimmt wie ein Mann. In Wirklichkeit macht sie Dinge so, wie sie gemacht werden müssen: Prinzessin Kemang geht auf Jagd, sammelt keine Früchte, sondern »streift[...] durch den Wald«, angelt, jagt, kämpft mit dem Schwert, dem Bogen, dem Speer und der Lanze. Sie ist aber nicht der bessere Mann, sie ist eine selbstbewusste Frau.
Das zeigt sich zum Beispiel in der Szene, in der ihr Hund die Katze anbellt. Je mehr Aufmerksamkeit diese erhält, desto größer und mächtiger wird sie. Die Prinzessin dagegen würdigt die Katze keines Blicks. Damit verweist sie sie in die Rolle, die Katzen in Indonesien wohl haben. Sie hegt auch keine Rachegefühle gegenüber dem Tier. Das ist es nicht wert. Dennoch ist sie traurig über den Tod ihres Hündchens, wie dumm konnte der nur sein!

Die Geschichte ist auf Doppelseiten angelegt. Diese lassen (im Hintergrund leicht gefärbten) Platz für den Text und geben den Bildern dennoch die Möglichkeit, sich auszudehnen – vor allem auf der Bilderseite, der rechten, die wir nach dem Umblättern zuerst sehen. So treiben die Bilder mit ihrem Wachsen nach rechts die Geschichte nach vorn.

Die Zeichentechnik der Illustrationen ist nicht genau zu erkennen. Vielfach bestimmen eng nebeneinanderliegende Linien den Hintergrund. Die Krokodile sind in den Komplementärfarben Rot-Grün ausgesprochen detailliert gezeichnet. Daneben gibt es überzeichnete Farbflächen und aquarellierte Bildteile, zum Teil so, als wären sie über Ölflächen gepinselt – dem exotischen Text durchaus angemessen.

Ein gutes Thema hat sich die Autorin Murti Bunanta gewählt – und nicht nur für Indonesien gültig. Von dort stammt dieses Märchen und ist nicht mit mitteleuropäischen vergleichbar. Dennoch – oder gerade deswegen – gibt es für uns eine sehr gute Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en