Jean Paul Mongin & Julia Wauters:
Leibniz oder Die beste der möglichen Welten

Aus dem Französischen von Heinz Jatho
Zürich Berlin: Diaphanes 2015

www.platonundco.de

ISBN 978-3-03734-508-5
64 S * 14,95 € * ab 12 J

 

 

 

 

Gottfried Wilhelm von Leibniz gilt als letztes Universalgenie. Hier nun, als inzwischen einsamer alter Mann mit »Leichenbittermiene«, ist eines seiner wenigen ‚Vergnügungen‘, dem Jungen Theodor des Abends in seiner Studierstube oben auf dem Turm die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Hier ist es die von der besten aller möglichen Welten.

Diese oder eine andere Welt?

Wer hat die Wahl?

Text und Bilder sind auf farbigem Karton gedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt, mit schwarzen Konturen versehen. Düster sehen die Bilder aus, so düster es wohl in der Studierstube um 1714 in Wien am hinteren Ende der Stadt bei Kerzenlicht gewesen sein mag. Leibniz, inzwischen 68 Jahre alt, ist weg aus den Rampenlichtern der Höfe, seine Freunde und Förderer schon längst verstorben, die Korrespondenz mit den Größen der Welt eingestellt. Was bleibt? Ein Bier am Abend, ein paar Gedanken, warten und sich freuen, wenn der wissbegierige Theodor auf eine Geschichte von ihm hofft. »Leibniz hatte soeben die Beschreibung des Universums vollendet«, in der er die Gestalt, den Aufbau und die Bedeutung der Dinge notierte. Er schreibt dabei sogar der Materie Eigenschaften wie »Wahrnehmung und Begehren« zu. Und – köstlich: »Auch der Marmor ... hat seine Ideen, wenn auch ganz verworrene«.
Nachdem der Junge bei ihm anklopfte (»... was hast du heute gelernt?«) kommt Leibniz zurück in eine fröhlichere Gegenwart. Die Bilder werden heller, auch wenn zunächst von den vorhergesagten Untaten des römischen Königs Sextus Tarquinius die Rede ist. Theodor fragt sich, warum Apoll / Jupiter / Gott denn überhaupt Böses in der Welt zulasse, und Leibniz zeigt, dass es sich nicht um Einzelnes handelt, sondern um die Sicht des Ganzen, die uns normalerweise verwehrt sei. Am Beispiel des Königs sieht der Priester des Orakels und damit auch wir Leser, was eine kleine Änderung zu Beginn einer Sequenz für Folgen bezüglich der gesamten Entwicklung haben kann. So ist es wohl Aufgabe des Göttlichen, aus den vielen Möglichkeiten immer gerade die zu wählen, die im Bezug auf das Ganze die höchste Stufe erreicht, also die »beste der möglichen Welten« auf den Weg zu bringen. Die erscheint auf dem Papier in hellem Gelb mit weißen Pflanzen. Es ist offensichtlich die unsere.

Ein tolles Buch, das in der Folge von »Das Gespenst des Karl Marx« (Heinrich—Wolgast-Preis der AJuM der GEW 2015) steht und mit Recht auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises 2016, auch wenn das Verstehen schon Einiges an Aufmerksamkeit fordert.

Wer sich anders mit der Theorie von Leibniz beschäftigen will, muss sich vielleicht bei Voltaire schlau machen. Oder bei ... Es gibt unzählige Aufsätze, Essays, Auseinandersetzungen (siehe Internet). Keine ist aber so kindfreundlich wie diese.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en