Jenny Offill & Chris Appelhans:
Lucky!

Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt
Hamburg: Aladin 2016

www.aladin-verlag.de

ISBN 978-3-8489-0104-3
40 S * 12,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Lucky ist weder quirlig, noch kann man mit ihm angeben. Lucky ist ein Faultier – als Haustier also völlig ungeeignet. Und doch ist es das einzige Tier, das sich nach Mamas Vorgaben anbietet.

Quirliges Faultier (?)

Interessant ist zunächst die Titeländerung bei der ‚Übersetzung‘ ins Deutsche. ‚Lucky‘ ist nun gar nicht Deutsch und schon gar keine ‚Übersetzung‘ von »Sparky«. Die wäre auch heftig, verweist sie doch auf jemandem, der vor Tatendrang sprüht oder gar spastische Anfälle hat (oder noch schlimmer ein Synonym für den ‚Elektrischen Stuhl‘). Lucky als Titel (‚Glück gehabt‘ oder ‚Glücklich sein‘) ist schon schöner.

Das Mädchen wünscht sich ein Haustier, und nach vielen Quengeleien über einen Monat lang erhält sie die wohl absolut negierende Antwort ihrer Mutter: »... so lange es nicht ausgeführt, gebadet oder gefüttert werden muss.« Da fallen ja schon mal alle Tiere aus: Hunde müssen ausgeführt werden, Katzen, Hamster, Meerschweinchen und Fische gefüttert, vor allem die Letztgenannten selbstverständlich auch gebadet.
Dann gibt es aber doch noch das Tier, das die Schulbibliothekarin Mrs Kinklebaum empfiehlt: »Folivora«. Das ist ein Faultier. Versprochen ist versprochen – also muss die Mutter zustimmen. Das Mädchen hat - endlich - ein eigenes Haustier.
Ob die Erzählende glücklich wird mit ihrem Haustier, ist eher unwahrscheinlich, jedenfalls kann sie nicht mit einem Faultier angeben. Es kann zwar einige Tricks, zum Beispiel: Liegen, schlafen, die Arme hängen lassen, die Augen schließen, Denkmal spielen. Aber die Nachbarn, zum Beispiel Mary, beeindrucken, das kann Lucky nicht. Na ja.

 

Das Faultier ist zunächst gewiss kein Identifikationsobjekt. Gut, wir kennen Nerds und Couch-Potatoes und die, die man früher ‚Gammler‘ nannte, aber alle sind nichts gegen ein Faultier. Chris Appelhans zeichnet es so, als wäre es total erschöpft. Zwar wurde es auf einen Ast getragen, musste sich dort allerdings noch selbst (!) zurecht ruckeln! Das schlaucht schon ganz schön. Und dann auch noch Balance halten!
Das Gesicht ist mehr breit als hoch, ein dunkler Streifen geht über die Nase, die beiden dunklen Knopfaugen haben keine Brauen, aber Striche unter den Pupillen. Die viel zu langen Arme stehen im Gegensatz zu den relativ kurzen Beinen, der braune Rücken mit den dunklen Flecken zu dem hellen Bauch.
Eine Karikatur also, die der der Menschen im Buch in Nichts nachsteht. Wir haben nur weibliche Personen, alle haben lange Haare und sind ziemlich schlank mit deutlich zu großem Kopf, mit deutlich zu großer Nase (und/oder Brille), die zudem rötlich sind wie die Ohren, die zumeist aus den Haaren herausragen.

 

Also: kein Buch zur Identifizierung! Kein Buch zum wohligen Kuscheln! Kein Buch zum erstaunten Aha! Eher ein Buch für Verlierer, die es noch nicht merken. Und doch: SO SYMPATHISCH! Wenn es nicht so schwierig wäre, könnte man glatt versuchen, sich ein neues Haustier zuzulegen. Warum nicht ein Faultier?

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en