Sybille Hein:
Prinz Bummelletzter

München: Hanser 2016

www.hanser-literaturverlage.de

ISBN 978-3-446-24751-2
32 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Wer Augen hat und Ohren, der sieht und hört so viele Dinge, dass er gar nicht geradlinig und schnell sein kann. Prinz Willibald ist so einer. Immer Letzter, nie pünktlich. Mal sind die Socken nicht da, mal muss er noch ein Lied einstudieren. Manchmal aber sind die zuletzt Angekommenen die Gewinner.

Verschlungen

oder

Lob der Langsamkeit

Dass Willibald, den seine drei Brüder gern auch »Kriechgurke! Lahmschnecke! Rödel-Dödel!! Trantüte!!« nennen so gut zur Prinzessin Fritza passt, wussten beide vorher nicht. Das ergibt sich erst auf dem Weg zurück zum Schloss. Doch der Reihe nach. Als Prinz Willibald aufwacht, sind seine drei Brüder längst aus dem Haus. Eine Prinzessin wurde entführt und wird nun von einem Drachen bewacht. Noch trödelt er wie üblich, aber dann überkommt es ihn wie ein Blitz: Prinzessin? Befreien? Freien? Heiraten? Also den Esel gesattelt und nichts wie hin zur Drachenhöhle! Halt. Er hat ja noch nicht gefrühstückt. Und Geschenke für die Prinzessin muss er auch noch herstellen und einpacken. »Einen Kuchen backen? Ein Lied einstudieren?« Also kommt Prinz Bummelletzter doch erst wieder erst an, wie es sein Spitzname verrät. Dieses Mal aber kommt er genau zur rechten Zeit.

So spitzbübisch wie Sybille Hein die Geschichte erzählt, so zeichnet sie auch rings um den Text herum. Sie denkt sich aus, wie die Prinzessin wohl aussehen mag: ganz dick und mit einem Lolli, ganz lang, sodass sie aus der Kopf aus dem Bild herausragt, mit wallendem dunklen Haar oder in einem Tanzkleid, mit langer Nase oder kleinen Knopfaugen. Kann sie wohl einen Kopfstand auf einem Baumstamm machen, oder trägt sein ein Haustier in ihrem Mantel? Menschen wie Tiere – vor allem der Drache – sind bewusst einfach gehalten, ähneln eher Karikaturen als reale Wesen. Dem Prinzen beigeordnet sind zwei weiße Stockenten und ein Schwein, die seine Handlungen unterstützen wie: Chorgesang, Papierkette schneiden, Geschenke und Proviant tragen, unterm Apfelbaum träumen, einen Beerenstrauch leerpflücken.

Ein gutes Buch, das Kinder ihren Eltern immer mal wieder zeigen können, wenn sie zu spät aus dem Kindergarten oder der Grundschule nach Hause kommen.

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en