Stephen Walton & Katie Cotton:
Löwen zählen

Aus dem Englischen von Brigitte Elbe
Stuttgart: Freies Geistesleben 2016

www.geistesleben.com

ISBN 978-3-7725-2790-6
32 S * 19,90 € * 03-99 J

 

 

 

 

Das Buch ist kein Zählbuch für Vorschulkinder, auch wenn es den Zahlraum von 1 bis 10 nutzt. Ganz erstaunliche fotorealistisch gezeichnete Bilder allein durch die Nutzung von Kohlestiften öffnen eine Welt der Wunder, die es verdient, dass wir uns für ihre Erhaltung einsetzen. Die Auswahl der Tiere ist nicht zufällig, denn fast alle der gezeigten Arten sind vom Aussterben bedroht.

Schauen & Staunen

Stephen Walton ist von Beruf Fotograf. Durch die Schulung seines Blickes auf Details begünstigt, begann er, die Fotos in gezeichnete Bilder zu übersetzen. Vom Objekt über deren Abbildung zum eigenen Erschaffen durch Linien und Auslassungen ist ein interessanter Ansatz, sich »die Welt untertan« zu machen. Sie wird dabei nicht gefangen, nicht vereinnahmt und erst recht nicht: getötet. Der Begriff »Jagdtrophäe« gewinnt hier eine moralisch hochwertige Änderung und hat mit dem Ausstopfen und/oder Aufhängen von Köpfen oder dem Gehörn von getöteten Tieren nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Im Gegenteil: Nicht nur durch die grafisch hervorragende Arbeit von Walton, sondern auch durch das Vorwort der ehemaligen Schauspielerin und Gründerin der ‚Born Free Foundation‘ Virginia McKenna wird unser Blick auf ‚Exotik‘ gelenkt. Wenn wir genau schauen – und spätestens auf den zwei Doppelseiten am Schluss werden wir darauf gestoßen – dann gewinnen die Bilder einen Aufruf, sich für den Schutz von bedrohten Tierarten einzusetzen. Die Zahlen zeigen dramatische Veränderungen an. Insofern ist die Wahl, Tiere mit Zahlen zu verknüpfen, eine sehr gelungene Verbindung, die so aus dem Titel und den Bildern allein nicht hervorgehen.

Sind die Bilder in Grautönen gehalten, so bildet der Text einen farblichen Gegenpol: Orange. In unterschiedlicher Intensität. Sehr stark ist die Zahl, groß gedruckt zudem. Gleichgroß aber schwächer im Druck ist der Name der Tiere. Deutlich kleiner und blasser ist der fast lyrische Text, der jeweils ähnlich aufgebaut ist: »Sechs von einem Rudel.« und farblich wieder etwas stärker gedruckt: »Sechs Wölfe«. Entsprechend: »... zwei Unzertrennliche ...« mit »Zwei Gorillas« und »Eine ganz gewöhnliche Reise für diese acht Weltmeerschwimmer« gefolgt von »Acht Schildkröten«. Der Übersetzerin Brigitte Elbe gelingt es, mit dem Text bereits zu Beginn zu verzaubern. Da »saugt [der Löwe] das Gold der Savanne tief in sich ein« und »wirft ... den gewaltigen Kopf zurück« und pflanzt uns neben den so unglaublich beeindruckenden Bildern von Walton noch weitere in unser Gehirn.

 

Das Buch sprengt nicht nur die Genres von Sach- bis Bilderbuch, es lässt auch keine Altersempfehlung zu. Gut, Ein- oder Zweijährige werden noch keinen (oder nur wenig) Gewinn davon haben, aber alle anderen schon.

 

auf der Auswahlliste zum LesePeter August 2016

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en