Anastassija Archipowa:
Von Prinzessinnen und Königstöchtern

Stuttgart: Thienemann-Esslinger 2016

www.esslinger-verlag.de

ISBN 978-3-480-23288-8
133 S * 17,99 € * ab 03 J

 

 

 

 

Sechs bekannte Märchen der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm sowie zwei von Hans Christian Andersen (nacherzählt von Anica Esterl) handeln von Königstöchtern - und auch von Prinzen. Sie enden – bis auf »Die kleine Seejungfrau« - alle glücklich mit einer Heirat, auch wenn die Prinzessinnen nicht immer vorher gefragt werden. Sehenswert machen das Buch aber nicht (nur) die Märchen, sondern die vielen herausragenden Illustrationen von Anastassija Archipowa.

Männer in Strumpfhosen und Frauen in wallenden Kleidern

Die Bilder sind realistisch mit Aquarellfarben gezeichnet und zeigen den Edelmut der Königsfamilien und ihren Reichtum. Die Prinzessinnen sind oft blond mit wallenden Haaren oder Zöpfen. Das Licht fällt in ihre makellosen Gesichter und hellt sie zusätzlich auf. Archipowa friert sowohl die Menschen als auch die Tiere in ihren Bewegungen ein. Da sie zudem oft auf einen detaillierten Hintergrund verzichtet, einige Male die Personen gar isoliert und ihnen nur Halt nur durch leichten Schatten auf dem Boden gibt, werden sie besonders herausgestellt.
Es gibt keine Doppelseite ohne mindestens eine farbige Zeichnung, die den doppelspaltig gedruckten Text, der trotz der Serifenschrift und dem Blocksatz gut lesbar ist, zusätzlich gliedern.

Für das abendliche Vorlesen ist es gut, dass das goldgelb glänzende Lesebändchen zeigt, wo gestern Abend Schluss war. Nach Dornröschen, Aschenputtel und den zertanzten Schuhen folgt das einzige Märchen mit tragischem Ausgang (Andersens kleine Seejungfrau), bevor wieder zwei Grimm-Märchen (Gänsemagd und Schneewittchen) und das zweite Märchen des Dänen (Prinzessin auf der Erbse) gedruckt sind. Der Froschkönig beschließt die kleine Sammlung, die im Titel deutlich macht, dass das Augenmerk nicht auf den Männern liegt, auch wenn sich die jungen Frauen liebend und gern in ihr Schicksal ergeben, sobald sie erwählt sind. Aber das ist ein Problemkreis, der hier nicht einmal andeutungsweise angesprochen wird – auch nicht im Nachwort, das lediglich die kurzen Vitae der Autoren, der Nacherzählerin und der Illustratorin beinhaltet.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en