Allen Say:
Der Kamishibai-Mann

Aus dem Amerikanischen von Gabriela Bracklo
Gräfelfing: Edition Bracklo 2015

www.edition-bracklo.de

ISBN 978-3-9815066-7-9
40 S * 29,80 € * ab 04 J

 

 

 

 

»Kamishibai« ist/war das Theater der armen Leute im Japan in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Hier wird die Geschichte eines Kamishibai-Mannes erzählt, der es in der neuen Zeit noch einmal wissen will. Seine Frau bereitet ihm Süßigkeiten zu, und er fährt mit seinem Fahrrad und seiner Bühne in die Stadt. Dort verliert er sich zunächst in seinen Erinnerungen, die unversehens in der Gegenwart landen.

Theater, Theater

Das Buch selbst gibt es als Kartensatz für ein Kamishibai, reproduziert die Zeit also mit einem Beispiel aus der Zeit. Der alte Mann und seine Frau sind gar keine Großeltern, dennoch nennen sie sich Jiichan (Opa) und Baachan (Oma). Sie leben außerhalb der Stadt in ärmlichen Verhältnissen. Was blieb, ist die Erinnerung. Baachan unterstützt ihren Mann, es doch noch einmal als Kamishibai zu versuchen. Sie kocht noch einmal die Süßigkeiten, die er aus der Schublade heraus an die Kinder verkaufen kann, damit diese seine Fortsetzungsgeschichte hören und die Theater-Bilder dazu anschauen können.
Doch die Wirklichkeit hat sich verändert, stark verändert. Wo früher der Park war, sind jetzt Restaurants und Geschäfte, die Bäume sind gefällt. An alter Stelle parkt Jiichan sein Fahrrad, realisiert offensichtlich die Betonwand der Hochstraße gar nicht. Sein Blick geht in die Vergangenheit, die in der Geschichte und den Bildern dargestellt wird. Als der Kamishibai-Mann allerdings aufwacht, ist es seine Umgebung, die ihn in die glückliche Zeit tatsächlich zurückwirft.

Der Umschlag des fast quadratischen Buchs ist mit Leinen bespannt und zeigt eine Szene aus der Geschichte: sehr aufwendig, sehr liebevoll gestaltet. Das gilt auch für alle Illustrationen, die realitätsgetreu und blassen Farben auf der rechten, der Bilderseite, gedruckt sind. Dem Text bleibt in der Realitätsphase die linke Seite vorbehalten, in der Traumphase des »Opas« ist der Text unter den Bildern auf den Einzelseiten gesetzt.

 

Auf der Buchmesse in Leipzig im März 2016 gab es eine schöne Situation am Stand des Verlags »Edition Bracklo«. Eine junge Japanerin war mit ihrem (deutschen) Freund stehen geblieben und wusste vor Freude gar nicht, sich recht zu benehmen. Sie kannte offensichtlich diese Art der Theater-Vorführung und ließ sich sehr gern zeigen, wie die Verlegerin das Buch selbst als Kamishibai drucken ließ – inklusiv eines Nachbaus aus wohl geschliffenem Sperrholz. Offensichtlich ist Kamishibai auch im modernen Japan (noch) durchaus bekannt.

 

Der Anhang des Buches zeigt auf, wie sorgfältig die Verlegerin recherchierte und wie liebevoll sie das gesamte Unternehmen anging. So kann das Buch ein Lieblingsbuch werden.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en