Marianne Dubuc:
Bus fahren

Aus dem Französischen von Julia Süßbrich
Weinheim Basel: Beltz 2016

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-82088-4
40 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Busfahren kann ganz schön aufregend sein, vor allem, wenn man noch jung ist und das erste Mal ganz allein fährt. Mama bringt das Mädchen zum Bus, Oma holt sie am Ende der Reise ab. Dazwischen geschehen die kleinen Geschichten, die man anschließend erzählen kann.

Mutig, mutig

Das Mädchen ist noch so klein, dass ihre Beine beim Sitzen auf der hellgrünen Bank nicht auf den Boden reichen. Sie schaut mit ihren kleinen Knopfaugen ganz genau uns an. Die Wangen haben kleine rote Flecken, der Mund ist freundlich gebogen. Wir sehen das Innenleben des Busses, als wäre die eine Seitenwand nicht da. Ganz schön lang ist so ein Bus, länger als eine Doppelseite des querformatigen Buches. Die Mitfahrer sind allesamt vermenschlichte Tiere. Die Katzenfrau mit der runden Brille strickt an einem roten Schal, die Maus sitzt kerzengerade auf dem Sitz, der große braune Bär mit den hellblauen Stiefeln passt gerade so auf den Sitz, da bleibt keine Luft zum nächsten Sitz, auf dem eine Schildkröte ihren Panzer an die Lehne drückt. Das Faultier hockt und macht – na was? – es schläft.
An jeder Haltestelle steigen einige Passagiere aus, andere kommen neu dazu. Die drei kleinen Maulwurfskinder bringen Leben in den Bus, der kleine Wolf könnte ein neuer Freund des Mädchens werden, der Dieb wird es bestimmt nicht – und wohl auch nicht das Faultier. Kurz vor der Haltestelle in Omas Nähe leert sich der Bus. Als das Mädchen aussteigt, sitzt nur noch der Zeitungsleser drin. Das Faultier hat sich inzwischen auf die Bank gelegt.

 

Die Bilder sind blass mit Buntstift gezeichnet, dünne enge Streifen schaffen Strukturen, ruhige Szenen wechseln sich ab mit lebhaften. Am unteren Rand bleibt ein schmaler Streifen für den einzeiligen Text, der oft aus nur wenigen Wörter besteht. Die Passagiere sind meist sehr freundlich miteinander und gut als Typ zu erkennen, neben dem Mädchen selbst spielen nur zwei Menschen mit: ein Junge und der Leser. Auf seiner Zeitung sind (für die erwachsenen Vorleser) auch noch kleine witzige Texte versteckt, die sich auf das Geschehen im Bus beziehen, andere Details beziehen sich auf bekannte Märchen: Das Mädchen hat auf ihrem Weg zur Oma einen kleinen Korb mit einer roten (!) Strickjacke, der zweifarbige Apfel (!), der aus dem Netz der Schildkröte kullerte, bleibt zum Schluss auf dem Boden liegen, Wolfs treten als Familie auf.

Selbstverständlich macht das Buch nicht nur Spaß beim Anschauen, es macht auch Mut, Ähnliches möglichst bald einmal selbst zu versuchen.

 

Mit Recht steht es auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en