Julie Hunt & Dale Newman:
Handschuh-Kid

aus dem Englischen
Berlin: Jacoby & Stuart 2016

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-98-8
288 S * 19,95 € * ab 08 J

 

 

 

 

Dr. Irrig Spin verdient mit dem Wunderkind viel Geld. Er hält es künstlich klein und jung, gibt ihm wenig zu essen, lässt das Klavier vergrößern und weist den Schneider an, den Schulterteil der Jacke zu weiten, ohne dass sie größer aussieht. Dass der Junge nie seine weißen Handschuhe auszieht, ist der Grund für ein fast wahnwitziges Abenteuer. Die mit sehr weichem Bleistift und/oder Kohle gezeichneten Bilder schaffen unwirkliche Welten und ersetzen in großen Teilen einen erzählenden Text.

Wunderkinder sind einsam

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel und einen Vorspann, der sich zu Beginn allerdings nicht erschließt, denn die folgende Textseite und der Beginn der Graphic Novel beziehen sich nicht darauf. Dr. Spin kündigt im Konzertsaal das Wunderkind an, das auf dem Flügel mit der linken Hand ein anderes Stück spielen wird als mit der rechten. Handschuh-Kid wird nach dem Konzert gleich wieder abgeschirmt und in sein Turmzimmer gesperrt. Nicht mal die Schwester des Impresario, die dem Kind Klavierunterricht gab, darf ihn mehr besuchen. Doch dann besucht Shoestring über ein Balancierseil den inzwischen neunjährigen Jungen und überredet ihn zur Flucht. Nur Frau Liebhain, die Schwester von Dr. Spin, die Handschuh-Kid einst als Waisenkind im Wald fand, wird eingeweiht und mit ihr der Hund Hugo.
Das Abenteuer geht über eine Entführung, einem Brand im Haus von Herrn Arpeggio, einem Einschneien, dem Leben bei den drei Riesen und dem Seher Elias bis zu einer Art Auflösung im Berg der Ziegen bei Spaltwelt-Sam.

Die Geschichte verzichtet darauf, dass der Text erläutert. Nur selten wird der Ort der Handlung genannt (Cadentia / Graf Arpeggios Anwesen / Elias Hütte / usw.) oder ein Zeitsprung (... am anderen Morgen / drei Tage später ...), aber auch die Dialoge sind auf wenige Wörter beschränkt. Die kraftvollen Bilder sollen die Geschichte transportieren, die nicht immer chronologisch und folgerichtig erzählt wird. Da ist das Verfolgen nicht immer ganz einfach.

Bei den Namen wurde darauf geachtet, dass viele Musikbegriffe angedeutet werden (Kadenz / Arpeggio / der Name Liebhain könnte der »Probensprache der Opern« von Gunda Schneider entnommen sein / String für Saite / u. a.), denn die Magie der Musik steht neben der Herkunft und dem ‚Verhältnis der Freunde‘ untereinander im Mittelpunkt.

 

Die Bilder verzichten zumeist auf Rahmen, gehen entweder ineinander über oder schattieren aus. Da auf Farben verzichtet wird, muss die Spannung oft über starke Hell-Dunkel-Kontraste erzeugt werden, durch heftigen Wind in den Haaren oder durch den Lichteinfall auf die Gesichter. Einige Male wird die gesamte Doppelseite für ein einziges Bild genutzt. Auf den Wechsel zwischen unterschiedlichen Darstellungsformen kann man sich verlassen, darauf, dass man alles richtig verstanden hat, nicht unbedingt.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en