Mehrdad Zaeri & Christina Laube:
Aschenputtel

München: Knesebeck 2016

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-768-4
32 S * 12,90 € * ab 03 J

 

 

 

Christina Laube gelingt es, das bekannte Märchen sehr stark zu verkürzen, ohne dass wir all zu viel vermissen. Noch bemerkenswerter ist allerdings der Laserschnitt der Seiten, der das Geheimnisvolle der ‚Alten Zeit‘ ganz wunderbar und märchenhaft verbindet mit den neuen Techniken. Der Verlag hat dafür sogar einen entsprechend gestalteten Schutzumschlag spendiert. 

Laser-Schattenbilder und Märchen

Mutter stirbt, Vater heiratet erneut. Die Tochter wird von der Stiefmutter und ihren beiden in die Ehe gebrachten Töchtern unterdrückt, gemobbt würde man heute sagen. Der Prinzenball am nahen Schloss dient dazu, eine Ehefrau zu finden. – Die Geschichte dürfte bekannt sein, und arg so kurz wird sie auch nicht erzählt. Es gibt schon diverse Einzelheiten, aber der Text beschränkt sich auf maximal vier Zeilen am unteren Rand, oft ist es nur eine. Sechs schwarze Seiten (und ihre helleren Rückseiten) prägen den Eindruck des Buches, denn diese sind mithilfe eines Lasers sehr fein geschnitten.
Zu Beginn ist es eine Pflanzenstruktur, die wir wie aus einem schiefen Fenster heraus gegen einen hellen Himmel wahrnehmen. Dann gibt es eine sehr feine Linienstruktur, in der diverse Vögel den senkrechten Stäben ihnen Halt geben, bevor unzählige kleine Löcher die Linsen darstellen, die Aschenputtel aus der Asche herausfinden muss. Eben diese ist darüber schattenhaft im schiefen Fenster zu erkennen, das nicht nur Gitter andeutet, sondern auch Sicht freigibt auf einige gezeichnete Vögel. Sie werden helfen, denn sie wohnen in dem Baum, den Aschenputtel aus dem Mitbringsel ihres Vaters einst in der Nähe des Grabes ihrer Mutter pflanzte.

Die Bilder hinter den Schnittflächen sind zumeist auf einem ‚schmutzig‘ hell-lehmfarbenen Papier mit schwarzen Linien oder auch eher grauen Bleistiftlinien gezeichnet: ein dicker Baumstamm mit wenigen kurzen Ästen und einer runden Baumkrone, die durch scheinbaren Lichteinfall eine räumliche Dimension erhält. Hoch darüber kommen die Vögel, um sich im Baum ihr neues Zuhause zu suchen. Auf dem schmalen Schatten, den der Baum wirft, steht im gehörigen Abstand ein Mädchen, still und staunend, mit Blick nach oben auf die Baumkrone, auf der sich die ersten Vögel niederlassen. Zwei Blätter weiter sehen wir die Vögel mit Körperlinie, Schnabel, Auge und Füßen in wilder Folge auf drei gespannten und leicht durchhängenden Linien/Seilen. Sie ersetzen die Tauben, die wir von den Gebrüdern Grimm kennen und die heutzutage vielen Menschen eher zur Plage werden, als dass sie zum Friedenssymbol oder als Hilfsgeschöpfe taugen.

Selbstverständlich ist dies Buch – auch – für erwachsene Menschen hergestellt, die sich für (ungewöhnliche) Märchenadaptionen interessieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch Kindern ab drei Jahren die Geschichte erschließt. Es soll ja auch Bücher geben, deren Buchdeckel man nicht umklappt, sondern die zu den Lieblingsbüchern gehören. Die zeigt man auch seinen Freunden. Umblättern will man aber lieber vorsichtig selbst.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en