Barbara Kindermann & Anna Severynovska:
Macbeth

nach William Shakespeare
Berlin: Kindermann 2016
www.kindermannverlag.de
ISBN 978-3-934029-68-2
36 S * 15,50 € * ab 05 J

 

 

 

Ist’s Hexenwerk, das den Menschen treibt? Ist’s Vorhersage, die erfüllt werden will? Macbeth jedenfalls, der für seinen König gerade erst durch seinen furchtlosen Einsatz einen Sieg in der Schlacht errang, wird bald darauf seinen König morden. Nicht ganz teilnahmslos ist dabei seine Frau. Eine schauerliche Geschichte aus Schottland wird mit sehr passenden Bildern in Szene gesetzt.

When shall we three meet again?

Barbara Kindermann erzählt die Geschichte und nutzt dabei einen (übersetzten) Originaltext von William Shakespeare, zitiert diesen in Teilen. Bereits auf dem Titelbild sehen wir Macbeth mit engem Helm und Kettenschutz, ein rotes Tuch an der Schulter mit einer Spange gehalten, in der rechten Hand ein blitzendes zweischneidiges Schwert mit Blutrille. Im Hintergrund ragt blass eine Burg mit vielen Türmen auf, direkt hinter ihm stehen drei Gestalten. Deren Körper sind durch graue wallende Gewänder bedeckt, die Gesichter unter den Kapuzen kaum zu erkennen. »Wann kommen wir drei uns wieder entgegen / im Blitz und Donner oder im Regen? / ...« wird vor dem Schmutztitel der Hexenspruch zitiert, der auch Shakespeares Drama einleitet. Das ist ziemlich unheimlich, scheinen die Drei doch bereits zu wissen, was sich bis zum Ende der Geschichte ereignen wird.

Der Text beansprucht mindestens so viel Platz wie die Bilder, nimmt die etwas altertümliche Sprache auf, ohne dass dieser dadurch unverständlich wird. Nicht ganz schlüssig wird dargestellt, warum der tapfere Krieger für seinen König durch eine Weissagung von drei flüchtigen Gestalten anfängt zu grübeln, wie er der Vorhersage durch eigenes Verhalten Gültigkeit verschaffen kann. Als ob es nicht reichte, dass es so geschehen wird – auch ohne sein eigenes Zutun. Bei Shakespeare ist die treibende Kraft auch eher Macbeths Frau. Das Unheil nimmt seinen Lauf und belässt es nicht dabei, dass Macbeth König wird. Genießen kann er seine Krönung nicht lange. Die Hexen hatten ja noch mehr geweissagt.

Anna Severynovska zeichnet, wie man früher Heldensagen zeichnete. Sie trifft den Ton der Erzählung von heute wie den Kern des Dramas um 1600 und zugleich die Ritterzeit, in der gehandelt wird. Sehr beeindruckend ist, wie sie offensichtlich die Gedanken von Macbeth in seinen Blick zaubert. Mehrmals schafft sie zum Beispiel durch den Einsatz von Licht, unheimliche Stimmungen zu erzeugen. Sie verwendet verwischte Rottöne in den Bäumen und Blättern am Ort, an dem sich Prinz Malcom und Ritter Macduff verbünden und beschließen: » ... Macbeth ist reif zur Ernte.« So geschieht es, und kurz darauf legt die Illustratorin ein Schwert in seiner Scheide mit dem Gürtel in das lindgrüne Gras mit den hellgelben Blüten. Eine Zeit des Friedens bricht wieder an.

Um das Drama auf der Bühne würdigen zu können, muss man schon eine gewisse Erfahrung mit Literatur wie mit menschlichem Verhalten mitbringen. Das Buch kann deutlich vorher – auch vorgelesen – als spannende Geschichte dienen. Die Bilder sind dabei mehr als einfache Unterstützung.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en