Heinz Janisch & Lisbeth Zwerger:
Geschichten aus der Bibel

Zürich: Nord-Süd 2016
www.nord-sued.com
ISBN 978-3-314-10301-8
142 S * 21,99 € * ab 12 J

 

 

 

Bibel heißt so viel wie Buch – und müsste eigentlich ‚Bücher‘ heißen, denn es ist eine Sammlung von vielen. Heinz Janisch folgt in seinen Texten sehr traditionell der Original-Bibel, die er mit eigenen und wichtigen Zwischenkommentaren versieht. Lisbeth Zwerger zeichnet wie eh ihre herausragenden Bilder, die Leichtigkeit vermitteln und anschließend dennoch schwer im eigenen Gedächtnis liegen bleiben.

Abendland

Wer den Buchtitel wörtlich nimmt, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Heinz Janisch bleibt in seinen ‚Geschichten‘ sehr nah an den bekannten Übersetzungen. Auch wenn er eigene Worte verwendet, so ist seine Sprache befremdlich altertümlich. Erst in den Zwischentexten, die kommentierend und abgesetzt kursiv gedruckt sind, wird der Text zu seinem Text. Der ist nun allerdings wohl an erwachsene Leser gerichtet. Seine ‚Geschichten aus der Bibel‘ bleiben merkwürdig blass. Er lässt weg, was sich in unserer Erzähltradition beißt (zum Beispiel die zwei sehr unterschiedlichen Beschreibungen der Flucht durch das Rote Meer im ‚Exodus‘) und lässt aus, was sich nicht in die positive Sicht einfügt (zum Beispiel, wie blutig und gar nicht in unsere Zeit passend die Geschichte von ‚David gegen Goliath‘ weitergeht). Wenn er berichtet, dass die BERGpredigt Hinweise gibt auf die Erhöhung in Richtung Gott, dann betrachtet er nicht, dass Matthäus gerade diesen wesentlichen Teil von der FELDpredigt von Lukas zitiert, den er als Didaktiker weitergeben will.
Heinz Janisch kann wunderbar kleine Geschichten erzählen, erfinden, mit wenigen Worten einen ganzen Kosmos öffnen, dass uns kaum Luft bleibt ob solch treffender Beschreibung von Situationen. Er ist ein wirklich ganz großer Erzähler in der Kinder– und Jugendliteratur. Hier allerdings verbeugt er sich selbst vor der Größe des Projekts. Das mag an der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesellschaft liegen. Sehr frei und selbstbestimmt ist seine Sprache nur in den Zwischenkommentaren.

Ganz anders sind es die Bilder von Lisbeth Zwerger – ein Vorrecht von Illustratoren gegenüber von Schreibern. Sie dürfen offen bleiben, mehr andeuten oder zur Interpretation anbieten, Zitatensammler auf die Suche schicken. Nehmen wir das Beispiel des Titelbilds, auf dem wir einen Baum mit vielen grünen Blättern sehen, zwischen denen fünf orangefarbene Früchte zu sehen sind. Eng am Baum gelehnt sind zwei langhaarige Menschen, Adam und Eva. Beide stehen offen, haben ihre Arme auf den Rücken gedreht, beide zeigen ihren Oberkörper ohne jede Bedeckung. Beim Sündenfall zeichnet Zwerger das identische Bild, allerdings bedecken diesmal die langen Haare von Eva ihre Brustwarzen und über dem Baum zieht eine dunkle Wolke von rechts in den blassen Himmel.
Lisbeth Zwerger ist Jahrgang 1954 und hat – zumindest gefühlt und berechtigt (!) – alle Preise für IllustratorInnen erhalten. Hier zitiert sie mit ihren Bildern mehrfach Bilder von anderen Künstlern: Max Ernst, der weniger respektvoll umgegangen war mit der Bibel wie es Heinz Janisch tut / griechisch-römische Statuen / Fischernetze für die Apostel. Beim Turmbau zu Babel entfernt sie sich dagegen erfreulich von Pieter Bruegels bekannter Sicht. Lisbeth Zwerger zeichnet wie Lisbeth Zwerger. Sehr nachhaltig also.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en