Catherine Rayner:
Augustus sucht sein Lächeln

aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf
München: Knesebeck 2016
www.knesebeck-verlag.de
ISBN 978-3-86873-902-2
28 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

Augustus ist ein Tiger. Woran er merkte, dass er sein Lächeln verlor, wissen wir nicht, aber wir folgen ihm auf seiner Suche danach. Am Ende der kurzen Geschichte wissen wir wie er, dass das (Wieder-) Finden letztlich sehr einfach ist. Sehr gut gelungene Bilder voller Schwung lassen den Tiger im Buch leben.

Fern und doch sehr nah

Catherine Rayner gibt ihrem Tiger einen fast rechteckigen Kopf mit einer Art Ziegenbart und einem Knopfauge. Über die Rot-Gelb-Weiß-Färbung setzt sie mit Schwung und ‚ziemlich unordentlich‘ wenige dünne und viele dicke schwarze Linien. Die Konturen des Tigers, sein Schleichen, sein Dehnen, die Aufnahme von Witterung und seine Ausdauer zeichnet sie sehr gekonnt und realistisch. Ganz im Gegensatz zum Tiger gestaltet sie die Umwelt. Die Pflanzen scheinen gestempelt zu sein. Die Blätter überlappen sich, sind durchscheinend, wenige andere Tiere entstehen aus einer kleinen Fläche, die durch dünne Linie einen Vogel oder einen Käfer darstellen. Die Bergsilhouette ist ein reines Schattenspiel, auf dem auch der schwarze Schatten des Tigers sich gegen einen wilden Himmel abhebt, der rötlich ist und nach oben hin immer dunkler wird.

»Augustus« heißt der Tiger auch im englischen Original und verweist nicht erst durch die Übersetzung auf die lateinische Bedeutung von »der Erhabene« (so nannte sich bekanntlich auch der erste römische ‚Kaiser‘ Octavian). Er vermisst nicht etwa sein Lachen, sondern sein Lächeln, seine Freundlichkeit und Gelassenheit also, seine Akzeptanz für andere. Dabei zeigt er genau diese schon zu Beginn seiner Suche, schnuppert er doch an dem kleinen Käfer und befragt die Vögel im Baum, lässt er auf dem Buchtitel sogar einen Schmetterling auf seiner Nase sitzen.

 

Die Geschichte ist immer dann gut vorzulesen, wenn das Kind einmal nicht guter Laune ist und nicht so recht weiß, warum eigentlich. Der Tiger weiß es nur zehn Doppelseiten lang nicht.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en