Sabine Lipan & Dorota Wünsch:
Der Tag, an dem wir Mama rollten

Rostock: Hinstorff 2016
www.hinstorff.de
ISBN 978-3-356-01895-0
28 S * 14,99 € * ab 03 J

 

 

 

Dem witzigen Titel folgt eine entsprechend humorvolle Geschichte, die von Dorota Wünsch entsprechend in Bilder umgesetzt wird. Mama macht – wie jeden Morgen – ihre Gymnastik auf dem Balkon. Aber dann passiert es: Sie kann sich nicht mehr strecken. Sie steckt fest in der Beugung. Was nun?

Kugelmama

Papas Hilfe wirkt nicht, das Drücken nicht und Ziehen geht gar nicht. Mama vom Balkon in die Küche tragen? Geht auch nicht. Mama ist viel zu schwer. Da sie nun mal so rund gekrümmt da hockt, kommt die Idee fast wie von selbst: Rollen. Vom Balkon in die Küche, von der Küche über die Rampe in den Kofferraum des Autos in die Arztpraxis. Doch auch dort gelingt kein Geradebiegen. Mamas Termin folgend wird sie also in die Bank gerollt, zum Einkaufen, in das Restaurant, wieder nach Hause. Da findet der Dackel von nebenan die Mama so witzig wie wir. Er aber beginnt, sie abzuschlecken. Und das ist nun mal ein Glück.

Dorota Wünsch zeichnet Bilder, die zu der witzigen Situation passen. Selbst Mama, die ihre Situation bestimmt nicht mit Humor nehmen kann, wird niemals ungehalten. Auf dem Titelbild bewegen sich viele Arme, Beine, Hände, Füße, aber ihr Gesicht ist einmalig. In der Tat lächelt sie, auch wenn ihre Augen nach vorn schauen, das nächstmögliche Hindernis anstarren. Rechts vom Rand in das Bild hinein sehen wir fünf Arme von offensichtlich vier Personen, die Mama ins Rollen brachten: Papa und die drei Kinder. Das mittlere ist Erzählerin.

Der Text platziert sich an Stellen, die die Bilder frei lassen. Er nimmt sich mehr Platz als viele andere Bilderbücher, dabei sprechen viele Bilder für sich. Dorota Wünsch gibt den Personen sehr charakteristische Aussagen, die leicht verändert auch als Karikaturen durchgehen könnten. Fernab von irgendwelchen Ansprüchen an Fotorealismus zeichnet die Illustratorin sehr sympathische Personen, die gemeinsam versuchen, eine ‚unmögliche‘ Situation in den Griff zu bekommen. (Anmerkung: Es gelingt am Ende.)

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en