Séverin Millet:
In einer Vollmondnacht in meinem Garten

Aus dem Französischen
Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2016

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-82095-2
34 S * Hartpappe *13,95 € * ab 03 J

 

 

 

Ein Wimmelbuch mit 22 plus 2 Gespenstern, die sich die fahle Farbe vom Vollmond in einer tiefschwarzen Nacht borgen, um (m)einen Garten mit zwei großen Gebäuden zu bestücken, und diese in der gleichen Nacht auch wieder abzubauen. Am Morgen wird alles so sein wie zuvor: Baum, einfarbig grüne Grasfläche und brauner Lattenzaun, mit ‚kopieren & einfügen‘ verlängert. Langweilig? Ganz im Gegenteil!

Wimmeln, surrealistisch

Wo beginnen? Welche kleine Beobachtung mitteilen? Engelgespenst und Teufelsgespenst, die beide nur zusammen auftreten, sich gegenseitig helfen und offensichtlich herzlich einander zugetan sind? Vertikal getrennter Baum, der links und rechts am Rand der Seiten steht und in dem auf der einen Seite eine Eule hockt, zwischendurch fort ist und dann auf der anderen Teilseite des Baumes auftaucht? Von den Gespenstern berichten, die gegen Schluss sich wie Schauspieler in einer Reihe aufstellen, um sich vor dem Publikum – also uns – zu verbeugen?
Die Geschichte hat einen Text, der allerdings nur auf der ersten Doppelseite des Buches mit den gerundeten dicken Pappseiten steht. Er ergänzt den Titel um zwei weitere Wörter und drei Punkte: »sah ich ...«.

Uns ist selbstverständlich klar, dass weder Séverin Millet noch wir selbst die Wirklichkeit sehen werden. Wahrscheinlich ist es nur ein Traum, aber es ist ein guter und zugleich ein sinnfreier.
Es gibt keine Botschaft. Das ist doch schon mal was. Die Geschichte ist Selbstzweck, scheint also (eigentlich) überflüssig zu sein. Ist sie aber gar nicht, da sie so viel Humor transportiert, viel Einfallreichtum präsentiert, einfache Zeichenstrukturen immer weiter kompliziert und – ein Widerspruch – zugleich für Kinder ab 3 Jahren wie für 12-jährige und für Erwachsene eine Sichtebene findet.
Zur surrealen Ebene gehören der durch die Bilder gleitende riesige Mandrill-Affe wie auch der noch viel größere eher trampelnde, jedoch fast nichts zerstörende Elefant, der nach dem »Fertig!« des Gespenstes mit der goldenen Krone noch (weißes) Konfetti aus seinem Rüssel über die Szenerie pusten darf. Herrlich!

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en