Mike Curato:
Kleiner Elliot große Stadt

aus dem Amerikanischen von Stephanie Menge
Frankfurt: Fischer Sauerländer 2016
www.blubberfisch.de
ISBN 978-3-7373-5159-1
36 S * 14,99 € * ab 03 J

 

 

 

Ein kleiner weißer Elefant lebt in einer Stadt, die New York City ziemlich ähnlich sieht. Sein Leben ist ob seiner geringen Größe nicht einfach, aber er entdeckt jemanden, der noch kleiner ist als er selbst. Das fördert nicht nur neue Kraft in ihm, sondern ist auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Kaffeetassenküchlein

Mike Curato liebt seine Stadt New York City, das merkt man an fast jedem seiner Bilder, denen er das Flair der 1950er Jahre mitgibt. Er verpasst seinen Block-Buchstaben »GROSSE STADT« im Titel kleine Doppelfenster, deren unterer Teil sich nach oben schieben lässt, gibt der Straße einen Hauch von Greenwich Village, wenn er die Eingänge der schmalen Häuser an Häuser an Häuser per Treppe erreichen lässt. Die ‚Belle Etage‘ hat Platz für den Wohnraum im ‚Keller‘. Elliot wohnt oben. Die Möbel und Bilder in seinem Wohnraum erinnern an die Biedermeierzeit – wenn man einmal davon absieht, dass die Bilder über dem kleinen Abstelltisch nicht die Ahnen oder Nachkommen abbilden, sondern Eistüten und American Cupcakes.
Die Autos auf den Straßen verweisen auf eine vielleicht noch frühere Zeit, in der die Autotüren sich noch nach vorn öffnen und die Fenster eher wenig Platz zum Schauen ließen. Der Verkehr auf den Straßen der Stadt steht, der Autor zeichnet eine Parklinie und zwei Fahrlinien daneben. Unser kleiner Elefant Elliot kommt gerade aus dem U-Bahn-Eingang heraus. Im Hintergrund erkennen wir die wohl riesige Werbung an der Hauswand: »Cupcake Queen« steht dort, und wir ahnen, dass sich die Geschichte nicht nur um Elliot allgemein dreht, sondern um seinen innigen Wunsch, einen von diesen herrlichen Küchlein zu kaufen und zu verspeisen.

Bis es soweit ist, leben wir eine ganze Weile mit Elliot und seinen Schwierigkeiten. Und wir erfahren, dass die Mathematik wieder mal recht hat: Minus mal Minus ergibt Plus. Übersetzt heißt das: Klein plus Klein ergibt Groß. Elliot findet nämlich einen ganz kleinen Freund und beide zusammen ...

Die Bilder sind wunderbar ‚altmodisch‘, die einfarbigen Flächen werden per Schattenbildung angegraut. Elliot ist nicht nur ziemlich klein, sondern auch noch weiß und hat – noch schlimmer – viele blassblaue und rosafarbene Punkte auf seinem Körper. Die Werbetafeln im Hintergrund zeigen eine Zeit an, in der ein Sandwich mit Hähnchensalat noch 20 US-Cent kostete und ein Milchmixgetränk 5 US-Cent.
Mehrmals gehen die Bilder heraus aus der Umgebung, werden Szenen isoliert und haben nur mit kleinem Schatten Bodenhaftung, gewinnt die Anonymität der großen Stadt und der Menschen, die vor allem von hinten gezeichnet werden, ein wenig individuelle Kontur jenseits von Elliot.

Große Stadt, hohe Bauten, Verkehrsstau von Autos mit unerkennbaren Personen, Menschen ohne Eigenschaften von hinten – das könnte ziemlich depressiv sein. Ist es aber nicht, denn Elliot und die kleine weiße Maus zeigen, dass es auch anders geht. Wir möchten wohl eher zu den beiden gehören.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en