David Merveille:
Monsieur Hulot am Strand
nach Jacques Tatì (Les Vacances de Monsieur Hulot)
Zürich: Nord-Süd 2016
www.nord-sued.com
ISBN 978-3-314-10338-4
56 S * 16,99 € * ab 05 J

 

 

 

Der Film »Die Ferien des Monsieur Hulot« entstand zu Beginn der 1950er Jahre. Jacques Tatí plante akribisch und mit genauem Blick auf das Absurde und Witzige des Alltags – und er spielte selbst die Hauptrolle, wie in allen seinen Filmen. Dabei nahm er keine Rücksicht darauf, selbst eventuell lächerlich und/oder naiv zu wirken. Das war damals sehr ungewöhnlich und ist es heute erst recht. Ein wunderbares Buch ‚gegen den Strich‘.

Spiegel vorhalten

Wir beginnen direkt am Strand. Herr Hulot (sprich: Üló) kommt am Strandort seiner Ferien an, kauft eine Zeitschrift, stellt sich vor: weiße Mütze mit Kappe und hochgestellten Seitenklappen, lange Pfeife ohne Rauch in seinem Mund. Unter seinem Arm ist ein Tennisschläger. Er steht auf einem Bein. Auffällig sind seine geringelten Socken, die wir unter seinen zu kurzen weißen Hosen sehen (Anmerkung: Damals nannte man das ‚Hochwasser‘.). Ein Bein ist abgewinkelt. Am Standbein lehnt ein noch zugeklappter Liegestuhl, von dem wir wissen, dass sein Aufbau schwierig ist und – im Anschluss auch im genannten Film – dem Slapstick das Wort redet. Zumindest der Aufbau ist also schwierig, wie wir später sehen werden. Außerdem hat Herr Hulot einen Kescher, einen gestreiften Sonnenschirm und eine Strandtasche dabei, in der ein gerolltes Badetuch steckt. Die Situation als Ganzes zeigt einen kleinen Ort am Strand eines Meeres, der sich auf Touristen spezialisiert hat.

Die Bildergeschichte ohne Worte in Grautönen erzählt zum Teil in Art der Comics mit abgegrenzten Linien, zumeist jedoch in ganz- oder doppelseitigen Bildern. Dabei werden Abschlüsse gestaltet, ohne dass dabei ein Abbruch erstellt wird. Das neue Bild, der neue Anfang, ist Beendigung des Vorangegangenen genug. Hulot verliert seinen linken Schuh beim Schuss mit dem Ball – der Beginn einer kurzen Sequenz. Eine Art Tennisball an einem Gummiband gibt die nächste Szenerie, der Nutzen einer Tageszeitung eine weitere. Das geschieht nicht in einer Art von Abschnitt, sondern geht ineinander über, zeigt Hulot als einfachen Menschen, der nach seiner Pfeife greift, stattdessen eine Schneckenmuschel erwischt und sie in den Mund nimmt, als wäre es das, was er erwartete. Seine Pfeife taucht kurz darauf aus dem Wasser aus, als wäre es das Periskop eines U-Boots. Viele solcher kleinen Dinge wollen entdeckt werden.

 

Gut, die Art des Humors ist nicht nervig, nicht laut, erst recht kein Schenkelklopfer. Aber dafür verschwindet er auch nicht so, wie es ‚Spots‘ machen: „Die dummen Kinder von heute sind die saudummen Kunden von morgen.“ (Sebastian Puffpaff in der ‚heute show‘) Die Kinder von heute sind hoffentlich nicht saudumm, sondern sie besinnen sich auf die kleinen Dinge, die uns Jacques Tatí und in der Folge David Merveille aufzeigen. Ein schönes Buch, das Einfaches in Tolles verwandelt!

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en