Aaron Becker:
Die Suche

Hildesheim: Gerstenberg 2016
www.gerstenberg-verlag.de
ISBN 978-3-8369-5890-5
40 S * 14,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Mädchen und Junge, zwei Farben in einer bunten bis grauen Welt, eine Geschichte ohne Worte, Anspruch an die Fantasie – das sind die Zutaten für ein wunderbares Buch. Die Kinder werden in ein Abenteuer gezogen, das sie mit ihrer Fantasie und den Farben und dem Paradiesvogel des Jungen bestehen und dabei eine gute Welt retten.

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Nach »Die Reise« (LesePeter April 2015) zeichnet der US-Amerikaner Aaron Becker wieder ein Bilderbuch ohne Worte, das ein Loblied auf die Farben in einer (möglichen) tristen Welt singt. Erneut ist das Mädchen wieder dabei und diesmal auch gleich zu Beginn der Junge, den sie am Ende des oben genannten Buches als Freund gewinnt. Auf ihrer Fahrt mit einem interessant kurzen Doppelfahrrad (eine Art Tandem) suchen die beiden Kinder unter einer Brücke Schutz vor dem Regen mit den starken Tropfen. Plötzlich öffnet sich die Tür in der Seitenwand, die die typische geschwungene Form des Orients hat. Falls wir gleich sehr aufmerksam sind, entdecken wir über der Doppelflügeltür einige Ornamente, die in der Folge der Geschichte mehrfach auftreten werden. Noch sind wir aber gefangen von dem alten Mann mit seinem wallenden grauen Haar und ebensolchem Bart und einer Krone auf dem Kopf, der in dem Türbogen steht und den überraschten Kindern eine Karte hinhält. Er hängt dem Mädchen eine Art Patronengurt um, in dem dicke Malkreiden ihren Platz finden. Gerade als der Alte die Bedeutung der Karte erklären will, kommen einige graue Soldaten aus der Tür, ergreifen ihn und ziehen ihn in den Gang hinter der Tür zurück und schließen sie von innen.
Die Kinder sind ebenso überrascht wie wir und der Paradiesvogel, der zu dem Jungen gehört und ‚seine‘ Farbe symbolisiert: Violett. Das Mädchen zeichnet mit ‚ihrer‘ Farbe (Rot) einen Schlüssel, der Junge einen weiteren. Beide Schlüssel passen in je einen Flügel der Tür, die Kinder verschwinden im Schwarz dahinter, und der Paradiesvogel muss sehen, dass er nachkommt.
In der Folge nehmen wir an einem Abenteuer teil, in dem die Kinder mithilfe der farbigen Kreiden den grauen Schergen ein ums andere Mal ein Schnippchen schlagen können.

Aaron Becker zeichnet eine geheimnisvolle Welt, eine enge Stadt mit vielen Türmen, Brücken, auf denen Schiffe fahren, viel Wasser, Luftfahrzeuge, brennende Turmspitzen. Die vier ‚Elemente‘ treffen auf den Regenbogen, dessen äußere Farben das Violett des Jungen und das Rot des Mädchens bilden. Die Karte, die der Alte den Kindern übergab, zeigt neben einer Landkarte in Form einer Schatzkarte (u. a. die Orte, die wir in der Folge in der Geschichte aufsuchen werden) die Primär- und Sekundärfarben RGB plus den Sekundärfarben Orange, Grün, Violett. Da könnte man, wenn man will, viel (hinein) interpretieren.
Die Kinder haben einfache Gesichter, braune Knopfaugen und ebensolche mittellange Haare (der Junge etwas kürzer). Beide tragen kurze Hosen, ihre dünnen Beine stecken in so großen Schuhen, wie man sie in bestimmten Jahren der Entwicklung eben hat. Den ganz- oder doppelseitigen ausgestalteten Bildern stehen mehrmals auf einer blanken Seite drei Spots, die die Handlung schneller vorantreiben.

Sehr sympathische Kinder in einer fantasiereichen Geschichte, die Worte transportiert, ohne sie zu benennen, eine wunderbare Botschaft von Bunt gegen Grau und der Sieg der Farbe gegen Gewalt und Unterdrückung: »Die Suche« ist ein würdiger Nachfolger von »Die Reise«.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en