Martin Baltscheit:
Nur ein Tag
Illustrationen von Wiebke Rauers

Hamburg: Dressler 2016
www.dressler-verlag.de
ISBN 978-3-7915-2702-4
105 S * 12,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Eine Parabel über das Leben und das Sterben und das neue Leben schreibt Martin Baltscheit, und er wählt keine Menschen dafür, sondern ein Wildschwein, einen Fuchs und eine Fliege, eine »Maifliege«, eine Eintagsfliege. Eintagsfliegen leben nur einen Tag, und diesen wollen die beiden Großen der Kleinen so angenehm machen wie möglich. Doch wir erleben es eher umgekehrt. Eine sehr positive Geschichte!

Eintagsfliegen leben

an und auch vor ihrem letzten Tag

Es gibt eine dunkle Seite der Geschichte, eine von über 100. Die ist auch dunkel gestaltet und steht im Gegensatz zu den anderen Seiten. Während »die Hellen ... von der Schönheit geblendet sind«, zerstören die Dunklen »die schönen Häuser aus Wut auf die Hellen«. Unsere Drei gehören zu den Hellen, und auch die zweite Eintagsfliege ist nicht böse, aber sie ist apathisch. Sie zählt die ganze Zeit die Zeit, die ihr vor ihrem Tod noch bleibt: Noch »eine Stunde, neun Minuten und dreißig Sekunden ...«, noch eine Stunde, neun Minuten ... So sieht es der Pessimist, der auch dann nicht glücklich ist, wenn es ihm gut geht, denn er weiß / ahnt ja, dass es ihm später schlechter gehen wird.
Wildschwein, Fuchs und Eintagsfliege dagegen sind positiv, manchmal etwas rau vielleicht (Wildschwein gibt Fuchs gern mal Kopfnüsse), manchmal ihrem Wesen getreu (Füchse jagen nun mal besonders gern Hühner, sie machen noch ganz andere Dinge mit ihnen), manchmal haben sie aber auch sehr nah am Wasser gebaut, sind empfindsam und müssen mehr als einmal eine oder zwei Tränen wegdrücken. Am Ende sind wir alle zufrieden – besonders, weil es kein ‚Happy End‘ gibt.

Martin Baltscheit beschreibt mit diesem Trio und ganz wenigen Nebenfiguren das Leben in seinen Grundfesten. Dabei gelingen ihm so schöne Sätze wie: »Wer einmal auf der Lügenrutsche sitzt, kann keine Tasse Kaffee halten.« oder: »Die Zeit hat keinen Rückwärtsgang.« oder: »Wer nicht weiß wohin, geht am besten nach Hause.«

 

Der Text ist mehrfach durch Fettdruck und unterschiedliche Schriftgröße gestaltet, die wörtliche Rede der kleinen Fliege in einem angenehmen dunklen Grün.

An die farbigen Bilder von Wiebke Rauers muss man sich erst einmal gewöhnen, denn Fuchs und Wildschwein sind nicht von Beginn an Identifikationswesen, die kleine Fliege dagegen etwas zu sehr an die Elfe Tinker Bell (aus Disneys ‚Peter Pan‘) angelehnt. Rauers illustriert den Inhalt, gibt einzelnen Szenen ein besonderes Gewicht, und sie gliedert zugleich den Text, sodass auch nicht so starke Leser schnelle Erfolgserlebnisse haben. Die 18 Kapitel sind oft nur eine Seite lang, ausnahmsweise umfasst eins allerdings auch 15 Seiten.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en