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Was geschah wann?
In 70 Karten durch die Weltgeschichte

München: Dorling Kindersley 2016
www.dorlingkindersley.de
ISBN 978-3-8310-2915-0
160 S * 16,95 € * ab 10 J

 

 

 

 

Dieser Geschichtsatlas verwischt die Grenze zum Sachbilderbuch, denn die vier (jeweils gewundenen) Zeitachsen verweisen nicht nur auf geschichtsträchtige Orte und Ereignisse hin, sondern auch auf Erfindungen, das Freibeutertum, das Fließband, das Überschallflugzeug oder das Glas. Das Buch in Atlasgröße ist offensichtlich nicht zum ‚Durchlesen‘ gedacht, sondern eher als Begleiter durch die Schulzeit ab Klasse Fünf.

Vielfältig: Leben/Zeit/Ort

Die vier Kapitel (Frühzeit & Antike / Mittelalter / Neuzeit / 20. & 21. Jahrhundert) sind auf den 160 Seiten am rechten unteren Rand und durch die allgemeine Farbgestaltung leicht zu lokalisieren. Ein jedes beginnt mit einem imposanten doppelseitigen Bild, gefolgt von einer Zeitleiste, die nicht als Gerade, sondern geschwungen dargestellt wird, denn es sind viele Anmerkungen zu machen. Am Schluss einer jeden wird auf die entsprechende Seite der Behandlung verwiesen.

Die Abfolge der Seiten ist nicht an Räume gebunden, sie folgt allein der Chronologie. So springen wir in der Welt hin und her, von Europa nach Latein- bzw. Mittelamerika (Mesoamerika wird die Gegend fachlich richtig aber für Kinder ungewöhnlich genannt), von Chinas Schatzschiffen über den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1773-1781) zu Afrikas Königreiche, von Australien (Austral-asien) 1788 zur Französischen Revolution 1789.
Auf allen Seiten sind zu den Blockbildern des jeweils abgebildeten Landes zusätzliche Illustrationen eingefügt: Piratenschiffe, Heinrich VIII, Pazifische Ratten, Lokomotiven, Weltwunder ...

Wer solch ein Mammut-Unternehmen für Kinder und Jugendliche aufbereitet, der muss sich arg beschneiden, ist also angreifbar. Das betrifft die notwendig zu treffende Auswahl, mehr noch das Auslassen von anderen wichtigen Aspekten. Das ist ‚normal‘.

Zu kritisieren ist jedoch die grafische Gesamtdarstellung, die im Textdruck sehr zergliedert erscheint, sich nicht im Bild der Doppelseite zurückhält. Im Gegenteil verwirrt der geblockte Text mit unterschiedlichen Schriftgrößen, Fettdruck, serifen- wie serifenlosem Druck und nicht immer in der Nähe des Orten, sondern mit feinem Strich dorthin verwiesen. Der guten Idee, das Land in 3-D-Blöcken aus den Bildern zu erheben, fällt die vielfältige Farbgebung wie die nicht immer eingenordeten Karten in den Rücken. Das Beispiel des Römischen Reiches macht Einiges deutlich: Färbte man das Reich einheitlich ein, ließe die fünf SPQR-Pfähle weg und auch das Kamel in der Sahara, dann wäre das Bild sehr eindrucksvoll.

Trotz der Kritik ist der ‚Geschichtsatlas‘ nicht zuletzt wegen des relativ geringen Preises eine gute und informative Ergänzung zum Geschichts- und Geografie-Unterricht, den Eltern ihren Kindern gern an die Hand geben. Sie sollten sie allerdings dabei nicht allein lassen. Das Buch spricht nicht immer für sich.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en