Kätlin Vainola & Ulla Saar:
Lift

aus dem Estnischen von Irja Grönholm
Potsdam: Willegoos 2015
www.willegoos.de
ISBN 978-3-944445-14-4
32 S * 10,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Ein Haus mit sechs Stockwerken. In jedem Stockwerk wohnt ein anderes Tier, das den Lift benutzt, um nach unten zu kommen und um etwas zu erledigen. Bevor alle zurückkommen, darf sich der freundliche Lift ausruhen und von einem Hochhaus träumen.

Im Fahrstuhl

Nicht nur die Tiere benehmen sich wie menschliche Wesen, sondern der Fahrstuhl selbst ist lebendig, hat Gefühle wie du und ich. Auf je einer seiner beiden Türen sind zwei schwarze Punkte, die wir sofort als Augen erkennen, denn über die Längsspalte hinaus sehen wir einen nach oben gebogenen Strich: ein freundlicher Mund. Der Lift in dem neuen sechsstöckigen Haus steht in ganz engem Kontakt mit dem Erzähler. Diese beiden nehmen sich Stockwerk für Stockwerk vor: Im ersten Stock wohnt Frau Oktopus – wer es nicht weiß, dem zeigt das Bild, dass es sich um einen Kraken / Tintenfisch handelt, der, nein: DIE noch in ihrer Badewanne liegt, Wasser aus ihrem Becher trinkt, zugleich ein Buch hält, zwei Arme wie Beine übereinander an den Rand der Badewanne überkreuzt und sich an den Nüssen aus dem Becher bedient, der am Rand der fast überfließenden Wanne steht, bedient.

Das schmale Bilderbuch ist im Querformat gedruckt, jedes Stockwerk erhält zwei Doppelseiten. Auf dem Vor- und Nachsatz sehen wir, wer in diesem Bilderbuch die Hauptsache ist: der Lift. Wir erkennen seine Knöpfe, die Kinder gerne selbst drücken mögen, mit den Zahlen von 1 bis 6 (+ p), schwarz auf weiß und umrahmt und in gar keiner schlüssigen Reihenfolge. Die kommt erst, wenn es sich um die Abfolge der ‚Erzählung‘ handelt, und die richtet sich nach den Ordinalzahlen der Etagen: 1.= Oktopus, 2.= Eichhörnchen, 3.= Herr Giraffe usw.

Die ‚Personen‘ sind mutig in Szene gesetzte Tiere, die Illustrationen angereichert mit vielen Kleinigkeiten, die man gern erfahren kann – nach und nach, denn der Text und die Geschichte treiben ja vorwärts. Dann aber kommen die Feinheiten in den Fokus, die abgebundenen kurzen Haarsträhnen der Eichhörnchen, der Aufdruck auf dem T-Shirt des Igels (Igel sind spitze!), die Körperfülle der Taubendamen am Kaffeetisch.

Der ‚Lift‘ greift die Freude von Kindern auf, die zum ersten Mal eine Rolltreppe erleben oder nach Aufforderung der Eltern den Fahrstuhl in Bewegung setzen. Viel zu schnell vergeht diese kurze Phase in der Entwicklung der Kinder. Dies Buch hält sie ein wenig an.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en