Andrus Kivirähk & Anne Pikkov:
Frösche küssen

aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt
Potsdam: Willegoos 2015
www.willegoos.de
ISBN 978-3-944445-15-1
32 S * 10,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

In der Umkehrung des Märchens vom »Froschkönig« wartet nicht die Prinzessin auf den Froschkönig, es warten Hase, Fuchs und Wolf auf Froschprinzessinnen – und diese auf jene. Für alle Kinder im Kindergarten- oder erstem Grundschulalter mit ‚erster Liebe‘ sehr geeignet.

Nicht immer nur küssen, oder doch?

Das Buch mit den Blättern aus sehr festem Papier stammt im Original aus Estland, das ist schon mal ungewöhnlich. Die Illustrationen wie die Geschichte selbst stehen dem in Nichts nach. Das Titelbild zeigt in Komplementärfarben zwei grüne weibliche Frösche mit Prinzessinnen-Kronen auf einem roten Sofa in Kussmund, das wir von Salvador Dalí kennen. Bevor diese beiden jedoch in der Geschichte auftauchen, vergeht einige Zeit. Es beginnt mit dem Weihnachtsmann, der mit seinem Flugzeug auf Einkaufstour war. Sein Flugzeug hat jedoch ein von einer Ratte genagtes Loch (die Illustration verlegt zunächst das Loch in den am Flugzeug festgezurrten Sack), sodass einige Märchenbücher ihren Weg zu Bär, Hase, Fuchs und Wolf finden. Die letzten drei machen sich auf den Weg, um ihre Prinzessinnen zu finden und aus bekanntem Grund zu küssen. Allein der Bär ist nicht nur müde und tollpatschig, er ist auch ein »alte[r] Trottel«, der den Schlusswitz der Geschichte liefert.

Das Format ist für ein Bilderbuch relativ klein, der Umschlag haptisch sehr angenehm auf Leinen gedruckt. Die Bilder sind auf starkem Papier gedruckt (200 oder gar 250 g/m²) und karikaturhaft gestaltet, sodass die wichtigen Botschaften besonders klar und deutlich werden: Die Bäume haben Äste, die wie Arme und Hände aussehen. Die Wolken türmen sich auf wie weiße Berge mit runden Bergkappen. Die Ratte, die das Loch in das Flugzeug fraß, lebt deutlich unter der Erde des Waldes in einer runden Höhle mit Gang nach draußen, der von außen gestaltet ist wie ein Weg. Der Bär schläft in einem Metallbett, viel zu klein für seine Masse, und er ist mit nur einer schwarzen Jeanshose bekleidet. An einem Bettrohr ‚klebt‘ ein Vogel mit großem Schnabel, der als Hut eine rote Eichelhülle trägt. – So könnten noch viele Beispiele genannt werden.
So reduziert die Bilder als Ganzes sind, so sind doch viele Einzelheiten zu finden und zu benennen, von der Wolfpfote bis zum Frack mit Fliege des Hasen und dem treuen Blick des Fuchses.

Kinder, die die Original-Märchen kennen, mögen es auch, wenn sie anders erzählt werden und anders enden, als sie selbst es kennen und bisher immer wieder gern hörten. Wenn sie schon dreijährig die Bilder gut begreifen können und anschließend mit ihrer eigenen Erfahrung verknüpfen können, dann liefern sie einen Gewinn an Wissen, Humor und Freude am Lesen und Hören von Geschichten. Das ist deutlich mehr als das Leben von einem Tag in den nächsten.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en