Joachim Ringelnatz & Erhard Dietl:
Der Nasenkönig.

Düsseldorf: Sauerländer 2005.

ISBN 3-7941-5073-.
48 Seiten.
19,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Ein „Ringelnatz“ ist ein Glück bringendes Seepferdchen. Wie aus Hans Gustav Bötticher ein Joachim Ringelnatz wurde, ist nicht klar. Klar ist, dass sein Leben nicht annähernd so hintergründig witzig war wie es seine Verse heute noch sind. Und Erhard Dietl zeichnet grandios passend.

H. G. Bötticher

33 Gedichte, vom Zweizeiler bis zu sechs Strophen lang, sind hier abgedruckt. Beginnend mit den bekannten Hamburger Ameisen, denen auf ihrer Reise nach Australien bereits in Altona die Puste ausgeht. Und endend mit dem Schlummerlied, einem Doppelgedicht mit entsprechendem Boden.
Der Sauerländer-Verlag bei Patmos hat ein sehr aufwändiges Buch gestaltet und den Gedichten wie den Bildern viel Platz gegönnt. Das haben beide verdient, und sie nehmen die Großzügigkeit gern an.
Und damit sind wir bei den Bildern. Dietl zeichnet, malt in vielen unterschiedlichen Formaten. Mal sind es nur Vignetten, dann wieder ganze Seiten. Alle Bilder sind im Rahmen, die meisten rechteckig, einige oval. Alle greifen wohl die Inhalte der Gedichte auf, schaffen es aber darüber hinaus, ihnen noch einen Tick mehr zu geben: Ein Meerschwein auf der Suche nach dem Meer? Das steht bei Dietl auf einem Stuhl auf einem fast spitzen Hügel auf einem Stuhl, hat eine längs gestreifte Hose an und ein einäugiges Fernrohr vor einem Auge. Das ist sowieso schon per Situation witzig, aber dazu kommt dieser völlig unpassende Hügel in möglicher Nähe des Meeres, die Ernsthaftigkeit der gemalten Figur, von dieser Stelle aus horizontal das Meer finden zu können.
Ein weiteres Beispiel sei zum Zweizeiler „Den Unterschied bei Mann und Frau / sieht man durchs Schlüsselloch genau.“ Dietl zeichnet im ovalen Rahmen eine Wäscheleine. Daran aufgehangen ein Herren-Schlüpfer und eine Damen- (Tanga-ähnliche) Unterwäsche. Ach ja, die Unterschiede sind wirklich sehr deutlich! Ist der Zweizeiler schon ein toller Wurf in seiner Kürze und Treffsicherheit, gelingt es Dietl aber dennoch, die Situation zu toppen. Nichts mit Schlüsselloch! Und die beiden Vögelchen sind derart kitschig dazu, dass es eine wahre Freude ist.

So ist es also, das Buch: Eine wahre Freude! Und zwar für alle Jahrgänge mit der Einschränkung: mindestens drei Jahre alt.