Karin Gündisch  & Sabine Wiemers:
Mia und Tante Milda – Eine Babysittergeschichte.

Freiburg, Wien, Basel: Kerle bei Herder 2005.

ISBN 3-451-70626-1.
32 Seiten.
11,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Milena, genannt Mia, darf am Abend nicht mit auf Besuch. Die Nachbarin, Nenn-Tante Milda, soll auf sie aufpassen. Doch es kommt ganz anders. Mia ist nämlich schon ein „großes“ Mädchen und sozusagen als Ausgleich hat Tante Milda keine Ahnung.

Rollenwechsel

Was sich die Eltern dabei bloß gedacht haben! Ohne Kind und Babysitter zuvor bekannt gemacht zu haben und – was noch wichtiger ist – ohne den Babysitter zuvor zu „prüfen“, verschwinden sie mir nichts dir nichts zu einer Einladung und lassen ihr kleines Mädchen Mia mit einer fremden Frau zurück – auch wenn es die Wohnungs-Nachbarin ist.
In der Folge zeigt sich, dass Mia Bescheid weiß über Essen, Telefonieren, Märchen. Tante Milda dagegen weiß Bescheid über Bier trinken, heimliches Rauchen, Naschen und vor dem Fernseher Einschlafen. Dann darf sie auch noch Baden und im Bett von Mama und Papa einschlafen. Mia dagegen strickt noch ein bisschen vor dem Fernseher und wartet, bis Mama und Papa zurückkommen. Die müssen nun aber auf der Wohncouch schlafen, denn ihr Bett ist für diese Nacht besetzt.

Der schönen Geschichte um ein starkes kleines Mädchen folgen entsprechende Bilder. Sabine Wiemers malt / zeichnet immer noch gegen die Sehgewohnheit. Die Menschen haben viel zu kleine Füße und zumeist zu dicke Körper, die Linien müssen nicht der Parallel-Perspektive folgen und Größenverhältnisse gelten auch nur manchmal. Als running gag lässt sie die Schildkröte immer mal wieder auftreten, aber auch verschiedene Haushaltsgeräte tauchen in den Bildern mehr oder sinnvoll / -los auf. Dabei nimmt sie potentielle Vorleser auch liebevoll auf den Arm (Frauenzeitschrift, Klebe-Zettel am Kühlschrank, Vorhängeschloss am Sideboard) und vergisst nicht, sich selbst zu zitieren („Wochenende mit Papa / FuFu – das kleine rote Auto“). Viele Kleinigkeiten sind absolut witzig und unvermittelt in die Bilder eingebaut (Schildkröte trifft auf ihre Puppe / auf den Garderobehaken hängen Handfeger und Schaufel, Blutwurst, Kirsche, Handtäschchen).

Brauchen also starke Mädchen einen Babysitter? Oder umgekehrt?