Anthony Browne:
In den Wald hinein.

Aus dem Englischen von Peter Baumann

Oldenburg: Lappan 2004

32 Seiten, geb., 12,95 €

für alle, die Märchen kennen

 

 

Ein sehr gelungenes Spiel mit Märchen: Der Junge soll seiner kranken Großmutter einen Korb mit Essen bringen. Er nimmt den Weg durch den Wald, und da begegnen ihm (in seiner Fantasie?) diverse Gestalten, die nicht nur ihm bekannt vorkommen.

Märchen

Bereits das Titelbild zeigt, worum es geht: Da geht ein Junge, folgt dem Wegweiser aus grober Holzplatte mit hinein geritztem „In den Wald hinein“, hat selbst rote Schuhe, blassblaue Hose und quer-gestreiften Pullover, während der Wald mit den ausgelegten Blättern sehr grau bleibt. Die Astlöcher sind bereits hier sehr fordernd, ein Baumstumpf erscheint als Turm, die Zinnen sind Spitzen einer Krone. Und der Schatten des Jungen? Ist es nicht ein Hase, der sich da auf dem gewundenen Weg bildet? Und dann entdecken wir auch noch einen Apfel. Und sehen die spitzen, toten Äste der Bäume nicht aus, als wären sie Dornen, die sich schützend vor ein Schloss stellen?
Browne spielt mit dem Genre „Märchen“. Er fordert zum genauen Schauen, zum Mitleben, zum Zurückschauen, er nimmt gefangen, zwingt den Blick zur Suche nach Verborgenem.

Dem Jungen kommt erst ein anderer Junge mit einer Kuh entgegen (Hans im Glück); getauscht wird aber nicht. Auch dem Mädchen mit den langen Zöpfen kann er so recht nicht dienen und auch nicht den beiden Geschwistern, die vor einem Holzfeuer sitzen und mit dem Hexenhäuschen im Hintergrund nichts im Sinn haben. Auch der rote scheint dem Jungen überhaupt keine Angst zu machen – er strebt vorwärts zum Haus seiner Großmutter. Und wie seine Spannung sich steigert, seine Gedanken immer schneller rasen, so verbiegen sich die zunächst sehr geraden Bäume immer mehr, umschlingen sich, wird der Wald dichter, bis er kaum noch Durchlässe bietet.
Wie oft im Märchen, geht auch hier alles gut aus. Da darf man auch den aus Sicht der Erwachsenen logischen Bruch der Geschichte verzeihen: Warum hat Mutter ihrem Sohn das Fehlen des Vaters nicht einfach erklärt? Vielleicht hat sie es ja auch und hier wird aus der Sicht des Jungen berichtet. Kinder verstehen nicht immer alles gleich, legen sich auch schon mal eine eigene Wirklichkeit zurecht.

Die Bilder leben ganz stark von den vielen versteckten Märchenandeutungen: Wir fanden zusammen mit einigen Kindern mehr als 20, die wir zuordnen konnten; einige andere waren uns unklar, aber deutlich sichtbar, also ergänzbar.

Das Buch hat den LesePeter für den Dezember 2004 erhalten.