Jochen Mariss & Inga Maria Blinde:
Pommes im Urwald  
–   Das etwas andere Dschungelbuch

Gütersloh: Grafik Werkstatt 2013

www.gwbi.de

ISBN 978-3-86229-235-6
40 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Hase (Pommes), Maus (Flitzer) und Ente (Wolke) sind beste Freunde. Die Geschichte entsteht, weil sich die drei einige Wörter vorgeben, die darin vorkommen sollen. So kommt es, dass die Fantasie die drei und uns vom Baumhaus direkt in den Dschungel und seine Bewohner bringt und dort in eine Frittenbude und dann platzt die Erzählung zurück ins Baumhaus. Dort gibt es Bananen, die der Hase aus dem Dschungel mitbrachte. Ziemlich verworren? Ja.

 

Der Hase Fritz wird Pommes genannt, »... Weil ich so gerne Pommes rot-weiß mag.« So beginnt die Geschichte und sie verschenkt sogleich die Verbindung von »Fritz« und »Pommes« durch den Hinweis auf »rot-weiß«. So konfus und offensichtlich wenig überdacht geht die Geschichte weiter. Zwei Freunde müssen sich fünf Wörter ausdenken, damit der Dritte daraus eine Geschichte macht – eine alte und immer noch ziemlich beliebte und oft erfolgreiche Methode zur Aufsatzbildung in der Grundschule. Hier allerdings nicht, denn Wolke kann keine Geschichte mit den ihr genannten Wörtern erfinden. Unvermittelt übernimmt Flitzer diese Aufgabe, scheitert aber auch. Pommes dagegen erzählt offensichtlich so, dass sich die Fantasie am Ende sogar in die Wirklichkeit hinüberrettet. In der Fantasie darf natürlich auch ein Löwe ein echtes Dschungeltier sein, ein Krokodil auch und ein afrikanischer Savannenelefant auch. Dann darf es auch eine Pommes-Frites-Bude geben und einen Braunbären auch.

Nein, die Geschichte ist weder originell noch stimmig und zu allem Überfluss ist sie für ein Bilderbuch viel zu lang. »Textlastig« sagt man dazu, wenn das Buch es verlangt. Aber auch das ist hier nicht der Fall.

Leider reißen auch die Bilder die nicht gelungene Textseite des Buches nicht heraus. Die Darstellung des Hasen erinnert stark an einen anderen aus der Welt der Bilderbücher, wenn es eine spannende Szene darzustellen gilt, erscheint sie eher eingefroren als aktiv, die gestalteten Textteile (»Ah, dA ist jA meiN MittAgeSSen«) bringen auch nicht mehr Spannung in die Geschichte.

Insgesamt, abgekürzt: Das Buch braucht pro Seite wegen der langen Textpassagen sehr viel Vorlesezeit, die die zu betrachtenden Bilder nicht ausfüllen. Die Geschichte selbst ist nicht nur mehrfach unstimmig, sie transportiert sogar falsche Bilder in die Köpfe der Kinder. Ein guter Lektor hätte hier sehr gut getan.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en