Troon Harrison & Andrea Offermann:
Der Eisdrache

Aus dem Englischen von Pauline Katz
St. Pölten: Nilpferd in Residenz 2013

www.nilpferd.at

ISBN 978-3-7017-2124-5
52 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Ein stilles und poetisches Buch über die Kälte des Winters, die letztlich doch dem Frühling weichen muss. Eine Geschichte über Armut und dem Leben in und mit der Natur. Ein Buch über Mitleid und die Kraft, die in Kindern steckt. Wunderbar, ungewöhnlich und sehr beeindruckend illustriert für alle Jahrgänge ab drei Jahre.

Die Krallen der Kälte

Vorweg ein Lob für die Übersetzerin, die genau den richtigen Ton für die Geschichte findet: «Am Rande der Welt lauschte das Mädchen mit den grünen Augen den wilden Schreien ...» Es sind die Eisdrachen, die noch einmal den Himmel aufwühlen auf ihrem Weg nach Norden und dem Frühling Platz machen werden. Doch genau dies geschieht nicht, und das Essen im Holzhaus der kleinen Familie wird knapp, das Brennholz ebenso. Der Vater wird krank, und die älteste Tochter, das Mädchen mit den grünen Augen, soll für Essen und Brennholz sorgen. Doch der Winter lässt sie drei Mal erfolglos heimkehren. Dem verletzten Eisdrache auf dem Dach ihres Haus verweigert sie – ebenfalls drei Mal – ihre Hilfe.

Der Ton der Erzählung spiegelt sich in den Illustrationen wider. Die Flügel der Eisdrachen sind zerbrechlich bis durchsichtig, mit dünnen Adern durchzogen, die dünnen, langen und biegsamen Körper dehnen sich mit den wirbelnden Windböen, viele dünne Linien lassen eine Verwandtschaft zu Wiesel oder Marder vermuten. Böse und gefährlich sehen sie aus mit den starken Kiefern und den großen Nüstern, aber auch traurig und ernst. Vor allem der verletzte Drache auf fast eingeschneitem und vereistem Haus der Familie, der seine Sippe verloren und seine Flügel verletzte, der hungrig ist wie die Familie unter ihm und der das grünäugige Mädchen um etwas Zeitvertreib bittet.

Obwohl der Text verdichtet ist und komplex in seiner Struktur, so sorgt nicht nur die Spannung der Erzählung für ungeteilte Aufmerksamkeit der (Vor-) Leser, sondern auch die Bildhaftigkeit – so wie zugleich die Bilder die Geschichte nuancieren und der eigen Fantasie gar nichts stehlen, sie vielmehr noch beflügelt.
In mehrfacher Hinsicht ist die Erzählung wie seine Illustration sehr geschmacksbildend für Kinder wie für Jugendliche und auch Erwachsene.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en