Davide Cali & Maurizio A. C. Quarello:
Kleiner Inuit und der weise Elch

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2013

www.ofv.ch

ISBN 978-3-7152-0669-1
28 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Auf der ewigen Suche nach der eigenen Zukunft trifft hier der kleine Inuit diverse Tiere, die er befragt, aber keins kann ihm eine befriedigende Auskunft geben. Doch dann kommt er – verbotenerweise – auf halbem Weg zum Ufer auf der anderen Seite an einen Elch, einen weißen wie auch weisen Elch. Mit seiner Antwort kann nicht nur der kleine Inuit sich (zunächst wenigstens) zufriedengeben.

Auf der ewigen Suche

Außer dem kleinen Inuit in seiner für uns unwirtlichen Eiswüste sehen wir keinen weiteren Menschen. Er ist mit seinem jungen Husky unterwegs und stellt den Tieren, die er trifft, die beiden Fragen, die ihn brennend interessieren: Was ist am anderen Ufer des eisigen Sees? und: Wird aus mir ein großer Jäger? Auf seinem Weg nutzt er die Transportmittel, die sinnvoll sind in seinem Lebensraum: Schlitten, Schneeschuh, Ski, Kajak. Ungewöhnlicher ist da schon ein Wal, der ihn auf die Insel bringt, die wir – vielleicht und natürlich in die weiße Welt transponiert – von Alfred Böcklin kennen. Wir kennen das Bild unter dem Namen «Die Toteninsel». Unerschrocken betritt der kleine Inuit die Insel, die halbkreisförmig von hohen weißen Gebirgswänden begrenzt ist, und auf der hohe Tannen einen kleinen dunklen Wald bilden.

Neben den Transportmitteln lernen wir auch die Tierwelt im Lebensraum des kleinen Inuit kennen, den Husky, den Schneehasen, den weißen Schneefuchs, die weiße Schneeeule (ein tolles Bild, das nur aus Augen plus Schnabel auf weißem Untergrund besteht, wobei die großen Augen durch die – nicht existenten – weißen Federn leicht angekratzt sind), das Walross und den riesigen Wal, nicht zu vergessen den Elch.

Wir Erwachsenen lernen mit den Kindern, denen wir vorlesen, nicht nur die Gegend kennen, sondern auch eine Möglichkeit, auf eine der drei großen (philosophischen) Fragen zu antworten.

Und ein sehr tröstliches Bild ist das vorletzte, auf dem wir aus der Vogelperspektive die Heimkehr des kleinen Inuit zu fünf Iglus sehen, das – schon wieder vielleicht – auf ein kleines Gedicht von Bert Brecht anspielt (aus dem Gedächtnis zitiert): «Das Haus / unter Bäumen am See. / Aus dem Schornstein / kommt ein Rauch. / Fehlte er, / wie traurig dann wären / Haus, Baum und See.»

Ein schönes Buch, das Kinder an die wichtigen Fragen des Lebens heranführt und/oder mögliche Antworten auf wenigstens eine gibt. Und die stärkt die eigene Person.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en